{"id":1139,"date":"2013-08-08T14:02:03","date_gmt":"2013-08-08T12:02:03","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=1139"},"modified":"2013-08-28T14:08:08","modified_gmt":"2013-08-28T12:08:08","slug":"1139","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=1139","title":{"rendered":"\u201eUnerh\u00f6rtes statt Gebrauchtes\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSiggi und der gelbe Hai\u201c ist das Motto der diesj\u00e4hrigen Jazztage. Die besch\u00e4ftigen sich mit dem 200. Geburtstag Richard Wagners und dem 20. Todestag Frank Zappas \u2013 die Verbindung ist gewollt. \u00dcber den Jazzclub im 40. Jahr, die sp\u00fcrbare Erneuerung und Verj\u00fcngung der letzten Jahre und nat\u00fcrlich \u00fcber Geld und \u201eJazz hat\u2019s\u201c redet Stefan Heilig, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Jazzclubs und Mitglied des sechsk\u00f6pfigen Programmbeirats der Jazztage.<\/p>\n<p><em>Ein Interview mit Stefan Heilig vom Jazzclub Leipzig.<\/em><\/p>\n<p>In der Leipziger Volkszeitung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Frage: Ende September kommen die Jazztage nun auch nochmal mit Wagner. Da wird der normal kulturinteressierte Leipziger vielleicht schon st\u00f6hnen. <\/em><br \/>\nStefan Heilig: Ja, vielleicht wird er das. M\u00f6glicherweise ist das aber ein guter Zeitpunkt, um sich nochmal mit Wagner zu besch\u00e4ftigen, weil wir Wagner von einer ganz anderen Seite beleuchten. F\u00fcr die Hochkultur von Leipzig ist dieser 200. Geburtstag sicher die Chance, Wagner wieder zur\u00fcckzuholen. Man hatte ja den Ruf der \u201eWagner-Stadt\u201c verloren \u2013 oder hatte ihn noch nie. Wir wollen zeigen, dass Wagner auch im Jazz funktioniert. Wir beleuchten ihn aber durch die Brille Frank Zappas, also eher parodistisch. Und wer die Jazztage kennt, wei\u00df, dass wir uns immer spannende Themen ausdenken, die auch einen Zeitbezug haben, sprich: die man auch in diesem Jahr machen kann. Wir sind selbst sehr gespannt, wie das funktioniert. Dass es funktioniert, werden wir beweisen. Wir haben tolle Musikerinnen und Musiker eingeladen, die sich speziell mit Wagner besch\u00e4ftigt haben. Dabei geht es weniger um Pathos als um Leichtigkeit und auch Humor, wie er Zappa zu eigen war.<\/p>\n<p><em>Es gibt auch dieses Jahr wieder ein Auftragswerk f\u00fcr die Jazztage, diesmal vom Andromeda Mega Express Orchestra, eben mit dieser Wagner-Zappa-Vorgabe. Kauft ihr da die Katze im Sack oder gibt es vorab ein bisschen \u201eControlling\u201c?<\/em><br \/>\nNein, gibt es nicht. Es ist gerade das Spannende an einem Auftragswerk, wir wissen auch nicht, was dabei rauskommt. Umso sorgf\u00e4ltiger m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich ausw\u00e4hlen, m\u00fcssen wir schauen, zu wem passt es. Man merkt aber recht schnell, ob und bei wem sich eine Leidenschaft entwickelt. Und bisher sind wir eigentlich nie entt\u00e4uscht worden. Was dann aber konkret auf der B\u00fchne herauskommt \u2026 damit zeigen wir ja, was auch das Spannende am Jazz ist, n\u00e4mlich das Unerwartete.<\/p>\n<p><em>Braucht es immer so ein Motto, einen Bezug auf Jubil\u00e4en als Klammer f\u00fcr das Festival? <\/em><br \/>\nMan braucht es freilich nicht immer. Aber wenn es sich anbietet, warum nicht? Wir arbeiten ja thematisch, im Gegensatz zu vielen Festivals, die einfach einladen, was gerade auf Tour ist. F\u00fcr uns ist der Zeitbezug immer wichtig: Warum mache ich etwas heute, was nur jetzt funktioniert? Wobei nat\u00fcrlich auch bei uns das Thema nur ein roter Leitfaden ist, es wird ja nicht bei jedem Konzert sklavisch besetzt. Wir schauen aber sehr bewusst, auf welchen Innovatoren unsere musikalische Gegenwart beruht. Das ist kein Zur\u00fcckschauen, sondern eine Betrachtung, wie sich deren Ansatz ins Heute transportiert hat. Also: Es wird bei den Jazztagen kein Zappa geben, der gecovert wird. Es wird Neues geben, was im Geiste Zappas entsteht. Unerh\u00f6rtes statt Gebrauchtes.<\/p>\n<p><em>40 Jahre Jazzclub Leipzig: Ist das f\u00fcr euch ein relevantes Jubil\u00e4um?<\/em><br \/>\nEs gibt ja gerade in der Kulturbranche die Tendenz, jedwedes Jubil\u00e4um zu nehmen und daraus ein gro\u00dfes Event zu machen \u2026<\/p>\n<p><em>\u2026 was ihr schon mal nicht macht. <\/em><br \/>\nWir machen das nicht aber wir wollen den Geburtstag schon feiern und zeigen: Hey, uns gibt es, wir sind 40! Es ist schon ein gro\u00dfes Jubil\u00e4um, wir ordnen das aber richtig ein. Ich meine, welcher Verein, noch dazu im Jazz, ist schon 40 Jahre alt? Der Freundeskreis Jazz, so hie\u00df der Jazzclub damals, hat das also auf einem sehr starken Fundament initiiert und bis heute tr\u00e4gt sich dieser Geist fort, erneuert sich nat\u00fcrlich immer wieder unter anderen Rahmenbedingungen. F\u00fcr uns ist das schon ein Anlass, mal innezuhalten und zu sagen: Wahnsinn, was ist da eigentlich passiert in den 40 Jahren! Es geht uns auch darum, kulturinteressierten Menschen ein wichtiges musikhistorisches Zeugnis der Musikstadt Leipzig zu liefern und die Historie des Vereins und seiner Projekte nachvollziehbar zu machen.<\/p>\n<p><em>Der Jazzclub hat sich in den letzten Jahren relativ drastisch neu erfunden, man kann das schon an eurem Logo oder den neuen Jazztage-Plakaten erkennen. War das ein schwieriger Prozess, so zwischen \u2013 sagen wir mal \u2013 Traditionalismus und Jugend? <\/em><br \/>\nIch w\u00fcrde nicht sagen, dass es ein \u00fcbertrieben schwieriger Prozess war. Nat\u00fcrlich gibt es immer bei Entwicklung und Ver\u00e4nderung ein F\u00fcr und Wider. Wir sind ein Verein, der sich aus sehr vielen Gedanken und Ideen speist. Aber seit ich hier bin, haben wir uns immer gemeinsam mit dem Vorstand und vielen Mitgliedern zusammen \u00fcberlegt, welche Faktoren wir finden, welche entscheidenden Dinge wir erfinden und neu entwickeln m\u00fcssen. Uns war v\u00f6llig klar, dass es f\u00fcr die Zukunft nicht gen\u00fcgen w\u00fcrde, ein elit\u00e4res Jazzfestival zu haben, das mit dem Publikum immer \u00e4lter wird. Wir haben dann relativ schnell entschieden, dass wir uns programmatisch breiter aufstellen m\u00fcssen, dass wir auch \u00fcber die Jazztage hinaus wieder zu einer Konzertpraxis kommen m\u00fcssen. Wir waren schon mit unseren w\u00f6chentlichen Konzerten im Telegraph pl\u00f6tzlich wieder \u00fcber das ganze Jahr sichtbar.<\/p>\n<p><em>Das entspricht sehr der Gr\u00fcndungstradition des Jazzclubs. Die Jazztage waren anf\u00e4nglich im Konzertjahr ja eher eine Art Kulminationspunkt der Jahresarbeit, nicht deren ausschlie\u00dfliches Ziel. <\/em><br \/>\nGenau. Es gab in den Siebzigern und Achtzigern sehr viele Konzerte und auch Vortr\u00e4ge. Sp\u00e4ter fokussierte sich alles auf die Jazztage, weil die nat\u00fcrlich auch pl\u00f6tzlich riesig gro\u00df geworden waren. Das ist ja auch eine Kapazit\u00e4tsfrage. Aber \u00fcber diese \u201eNeuerfindung\u201c, gerade den neuen visuellen Auftritt, haben wir lange nachgedacht, die war sicher f\u00fcr uns eine gewaltige Z\u00e4sur. Schon weil die eigentlich zeitlosen Grafiken von J\u00fcrgen Haufe (1999 verstorbener Grafiker und Typograf aus Dresden; d. A.) den Verein sehr, sehr lange gepr\u00e4gt haben. Es gab auch urheberrechtliche Schwierigkeiten, wir konnten das nicht mehr uneingeschr\u00e4nkt so verwenden, wie wir das h\u00e4tten tun m\u00fcssen. Man sieht jedoch auch, dass der Verein durch diesen frischen Auftritt wieder mehr in den Fokus ger\u00e4t. Das reicht bis zu unserer rasant steigenden Mitgliederzahl. Allein in den letzten anderthalb Jahren sind 70 neue Mitglieder eingetreten, wir sind jetzt bei knapp 200. Und was mir pers\u00f6nlich ganz wichtig ist: Der Ton des Jazzclubs hat sich ge\u00e4ndert, die Ansprache, die Texte in den Brosch\u00fcren. Es ist nicht mehr alles so bierernst, so musikwissenschaftlich. Es ist jetzt mehr sinnlich, auch lustig \u2013 aber gleichsam mit Tiefe.<\/p>\n<p><em>Der uralte \u201eJazz hat\u2019s!\u201c-Slogan hat es aber \u00fcberlebt. <\/em><br \/>\n(lacht) Ja, hat er. Das ist ein Spruch, der vor allem den \u00e4lteren Jazzclub-Mitgliedern noch sehr vertraut sein wird. Ich finde ihn auch zeitlos und immer noch so frisch, dass wir nicht darauf verzichten wollen. Und: Der Spruch stimmt einfach.<\/p>\n<p><em>Die Verj\u00fcngung im Jazzclub-B\u00fcro ist un\u00fcbersehbar, die Mitgliederzahlen steigen wieder. Ist das eine Entwicklung, die sich auch beim Publikum nachhaltig niederschl\u00e4gt? <\/em><br \/>\nEs ist f\u00fcr uns sp\u00fcrbar. Wir haben das Festival deutlich vergr\u00f6\u00dfert, fr\u00fcher waren es vier Tage, heute sind es zehn. Wir haben neben der Oper dabei so viele neue Spielorte \u2013 UT Connewitz, Schaub\u00fchne Lindenfels, Galerie KUB, Conne Island, Michaeliskirche \u2013, die ziehen auch in ihrem Stadtteil neues Publikum an; ohne die \u201eEintrittsh\u00fcrde\u201c Oper. Wir sind in die Szene reingegangen, haben genau geschaut, wie wir neue Entwicklungen, wie wir neue Entwicklungen im Jazz \u2013 besonders in Verbindung mit Clubkultur \u2013 pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Und wir merken zunehmend, wie man uns als Veranstalter auch traut, dass es gut ist, was wir dort machen. Wir waren in den so genannten Nebenspielst\u00e4tten jetzt fast immer ausverkauft. Das kann man nicht nur mit unserer Werbung und unserem neuen visuellen Auftritt erkl\u00e4ren. Am Ende geht es ja doch um das Programm, darum, was auf der B\u00fchne passiert.<\/p>\n<p><em>Es gibt seit zwei, drei Jahren eine recht heftige Diskussion um den \u201eJazzstandort\u201c Deutschland. Grundtenor ist \u201eDer Szene geht\u2019s schlecht, man kann nicht mehr von Jazz leben, die Infrastruktur bricht zusammen.\u201c Reicht das Thema bis in den Jazzclub hinein? <\/em><br \/>\nFreilich diskutieren wir diese Dinge immer mit, denken sie immer mit. Prinzipiell hat es aber wahrscheinlich zu keiner Zeit eine einfache Situation f\u00fcr Jazz gegeben. Insofern glaube ich nicht, dass es uns heute ganz besonders schlecht geht. Nat\u00fcrlich schlie\u00dft bedauerlicherweise immer mal ein Club. Aber es gibt auch immer wieder Neugr\u00fcndungen und die Szene ist sehr aktiv. Man muss aber auch sehen, dass j\u00e4hrlich hunderte Absolventen die Musikhochschulen verlassen; top ausgebildete Leute. Nie war die Qualit\u00e4t der Musiker in Europa so hoch wie jetzt. Das bedeutet aber nicht, dass in gleichem Ma\u00dfe Auftrittsm\u00f6glichkeiten hinzukommen. Es ist inzwischen zu viel Angebot f\u00fcr einen zu kleinen Markt. Man muss da auch als Veranstalter sehen, wie man damit umgeht: Man l\u00e4dt Leuchtt\u00fcrme ein, man l\u00e4dt aber auch Newcomer ein, die einen neuen Ausdruck provozieren. Man braucht die Bereitschaft zum Risiko. Ohne die gibt es auch keinen Erfolg.<\/p>\n<p><em>Wie geht es den Jazztagen, dem Jazzclub finanziell?<\/em><br \/>\nSchwierige Frage, die darf man ja weder so noch so beantworten. Wir haben einerseits zwei Premium-Sponsoren, die K\u00f6stritzer Schwarzbierbrauerei und die BMW-Niederlassung, die sich dankenswerterweise seit Jahren bei uns engagieren. Andererseits geh\u00f6ren wir zu den Vereinen, die mit im Moment 130.000 Euro doch recht ordentlich von der Stadt gef\u00f6rdert werden. Wir sind da in einem guten Kontakt, genie\u00dfen Vertrauen, was man schon an unserem Rahmenvertrag sieht, der ja f\u00fcr die Verwaltung keine einfache Angelegenheit ist. Wir sind uns aber bewusst, dass das etwas Besonderes, ein Privileg ist. Welche Wertsch\u00e4tzung das Festival insgesamt erf\u00e4hrt, zeigt sich aber nicht nur in der st\u00e4dtischen F\u00f6rderung. Wir bekommen 30.000 Euro von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, mehr bekommt kein Jazz-Veranstalter in Sachsen. Da sind wir nochmal beim Thema \u201eBraucht man ein Motto?\u201c Die \u00f6ffentlichen F\u00f6rderer merken wohl auch, da macht sich jemand einen Kopf, arbeitet konzeptionell. Man muss auch sehen, dass sich der Veranstaltungsmarkt in den letzten Jahren sehr professionalisiert hat. Das f\u00e4ngt mit der zum Teil rect schwierigen Vertragsgestaltung an, reicht bis zum Umgang mit den vielen Tarifen der GEMA, Leistungsschutzrecht, Ausl\u00e4ndersteuer und K\u00fcnstlersozialkasse. Das ist ein zum Teil sehr anspruchsvolles Aufgabenfeld, das sich nicht mehr ohne Weiteres ehrenamtlich machen l\u00e4sst, weil man daf\u00fcr Expertise braucht, also Personal. Das ist, woran es uns so ein bisschen fehlt. Ich bin der einzige Festangestellte, insgesamt sind wir mit allen Praktikanten und den Ehrenamtlichen aus dem Verein eine relativ \u00fcberschaubare Truppe. Wir br\u00e4uchten also eigentlich eine zweite Stelle.<\/p>\n<p><em>Die Jazztage hatten im letzten Jahr 6.000 Besucher. Viel mehr geht eigentlich nicht bei diesem Festival-Umfang. <\/em><br \/>\nWir waren sehr gut ausgelastet, sowieso in den Clubs, aber auch in der Oper. Drei Tage Konzert im Opernhaus ist schon ein Mammutprogram, man muss da f\u00fcr die dementsprechende Dramaturgie sorgen. Wir sind wirklich guter Dinge, die Besucherzahlen waren jetzt Jahr f\u00fcr Jahr ansteigend. Aber es gibt kein Wachstums-Dogma. Wenn wir das Niveau vom letzten Jahr halten k\u00f6nnten, w\u00e4ren wir gl\u00fccklich und zufrieden.<\/p>\n<p><em>Es hat sich in den letzten Jahren eine Art musikalische Klammer der Jazztage herausgebildet, die neben klassischem Jazz stark elektronische und Neue Musik einbezieht. Ist das die \u201eNische\u201c f\u00fcr euch in der Festivallandschaft, eine Art Alleinstellungsmerkmal? <\/em><br \/>\nJjjein. Es gibt einige Festivals, die \u00fcber den Tellerrand schauen. Die Schnittstellen zwischen Neuer Musik und Jazz sind ja heutzutage flie\u00dfend. Jedes Festival positioniert sich, versucht, eine gewisse Klammer zu finden. F\u00fcr uns ist das eindeutig \u2013 und das war eine sehr bewusste Entscheidung \u2013 der zeitgen\u00f6ssische Jazz, auch immer wieder eigene Projekte zu initiieren. Ob das dann mit Electronica oder Neuer Musik angereichert ist, ob es traditionellere Elemente enth\u00e4lt oder aus dem Freejazz kommt, ist eigentlich egal. F\u00fcr uns ist wichtig, am Puls der Zeit zu sein und immer daf\u00fcr zu sorgen, dass das Festival nicht nur ein Schaukasten ist, sondern immer auch ein St\u00fcck Werkstatt. Ich w\u00fcrde es auch eher \u201eProfil\u201c nennen, als \u201eNische\u201c.<\/p>\n<p><em>Ein Profil, das sich aber nach einem gewissen programmatischen Stillstand zum Ende der \u00c4ra Bert Noglik \u2013 bis 2007 langj\u00e4hriger Kopf des Jazzclubs \u2013 neu herauskristallisiert hat. <\/em><br \/>\nIch glaube nicht, dass es bei Bert Stillstand gab. Er hatte sein Konzept, mit dem jeweiligen Fokus auf eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Land, bestimmte Musiker und hat damit den Jazztagen zu einem internationalen Renommee verholfen. Er hat sich dabei tolle Projekte auch jenseits des Tourkalenders ausgedacht und im Grunde f\u00fchren wir diese Idee fort. Wir haben sie nat\u00fcrlich mit neuen Sachen angereichert. Jazz entwickelt sich, das Publikum entwickelt sich. Das ist heute viel wissender und anspruchsvoller und wir m\u00fcssen viel mehr neue Impulse zulassen. Aber eins scheint mir wichtig zu sein, und das hat Bert schon damals gesehen: Es ist dieser besondere Hunger nach Gegenwart, den es in Leipzig gibt. Und den wir versuchen, mit dem Jazzfestival zu befriedigen.<\/p>\n<p><em>Die Zusammenarbeit mit dem MDR scheint ungebrochen schwierig. <\/em><br \/>\nHier muss man unterscheiden. Was die Situation der Verg\u00fctung von Senderechten oder Lizenzen anbelangt, ist die Situation nicht ganz einfach. Noch vor vier Jahren war der MDR mit Lizenzrechten f\u00fcr Sendungen ordentlich engagiert. Heute ist das auf eher symbolische Beitr\u00e4ge zur\u00fcckgefahren, Senderechte werden vom \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk im Grunde gar nicht mehr verg\u00fctet. Es gibt insgesamt zu wenig Sendepl\u00e4tze f\u00fcr den Jazz und zudem eine Konkurrenzsituation der verschiedenen Veranstalter \u2013 der MDR muss ja drei L\u00e4nder gleicherma\u00dfen bedienen.<\/p>\n<p><em>Mir f\u00e4llt gerade kein vergleichbares mitteldeutsches Jazzfestival ein, vom Programm und der Gr\u00f6\u00dfenordnung her. <\/em><br \/>\nDas ist, was wir dem MDR auch immer versuchen zu sagen. Dass wir dort einen besonderen Bonus h\u00e4tten, was Tradition, Innovation, Konzept angeht, sp\u00fcren wir eher nicht. H\u00e4ufig begegnet man uns auch mit dem Argument, vieles sei nicht mehr sendbar. Selbst das Sophie Hunger Konzert im vergangenen Jahr wurde zun\u00e4chst als unsendbar eingesch\u00e4tzt. Da waren wir kurz sprachlos. Erst als der WDR mit im Boot war gab es dann sogar eine Live\u00fcbertragung. Redaktionell ist das Festival bei Figaro aber sehr gut aufgehoben, es gibt Interviews, Festivalbeitr\u00e4ge und Festivaltrailer, die Figaro rund um das Festival sendet. \u00dcber die Kulturpartnerschaft sind wir sehr dankbar. Es gibt aber generell nur noch wenig Programmfl\u00e4che f\u00fcr zeitgen\u00f6ssischen Jazz. Wir im Verein und viele Zuh\u00f6rer bedauern das. Und es stellt sich mir auch die Frage, ob der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk nicht auch daf\u00fcr da ist. Wenn nicht er, wer dann? Wenn wir uns zum 40. was w\u00fcnschen d\u00fcrften, dann, dass es mehr Sendepl\u00e4tze f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische und improvisierte Musik gibt. Es geht dabei ja auch gar nicht um uns. Wir wollen, dass die Musikerinnen und Musiker sichtbarer, h\u00f6rbarer werden. Und die Szene hier ist so spannend, sie verdient es einfach, dort abgebildet zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSiggi und der gelbe Hai\u201c ist das Motto der diesj\u00e4hrigen Jazztage. Die besch\u00e4ftigen sich mit dem 200. Geburtstag Richard Wagners und dem 20. Todestag Frank Zappas \u2013 die Verbindung ist gewollt. \u00dcber den Jazzclub im 40. 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