{"id":116,"date":"2007-03-04T10:15:30","date_gmt":"2007-03-04T08:15:30","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=116"},"modified":"2009-10-04T11:04:55","modified_gmt":"2009-10-04T09:04:55","slug":"der-depeche-mode-poster-king-vom-scherbelberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=116","title":{"rendered":"Der Depeche-Mode-Poster-King vom Scherbelberg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Westpakete, Fahnenappell und Kleinmesse: eine Jugend im Leipzig der Achtziger<\/strong><\/p>\n<p><em>Rezension zu &#8222;Sascha Lange: DJ Westradio\u201c, Aufbau Verlag; erschienen in <a href=\"http:\/\/www.kreuzer-leipzig.de\" Target=\"_blank\">Kreuzer<\/a> 03\/2007<\/em><\/p>\n<p>Eine seltsame Zeit war das. Der Fockeberg war nur als Scherbelberg ein Begriff, das Conne Island hie\u00df nach Altb\u00fcrgermeister Erich Zeigner, was aber niemanden interessierte, denn man sprach vom Eiskeller, und die wirklich interessanten Bands spielten meist in Kinos\u00e4len. <!--more-->Vor allem war Leipzig in den Achtzigern aber zwei mal im Jahr Messestadt mit expliziten Westkontakten \u2013 und sei es beim Betteln um Prospekte bei Matchbox oder Lego. Auch die peinlicheren Momente spart Sascha Lange nicht aus, wenn er zur\u00fcckblickt. \u201eDJ Westradio\u201c hei\u00dft sein Buch und eine gewisse Trotzigkeit hat er schon im Untertitel verpackt: \u201eMeine gl\u00fcckliche DDR-Jugend\u201c. Denn auch, wenn es in der Mangelwirtschaft wenig zu holen gab, wurde ja doch alles irgendwie besorgt oder wenigstens nachempfunden, was f\u00fcr ein anst\u00e4ndiges Teenagerleben an Bedeutung war: Westmusik, Westklamotten, Westposter und sogar Westsubkultur. Vor allem, wenn man die richtigen Kontakte hatte.<br \/>\nEin wenig privilegiert auf Ostart war der junge Sascha denn auch, mit spendabler Westverwandtschaft gesegnet, mit immerhin 80 Depeche Mode-Postern an der Wand und vom libert\u00e4r-christlichen Elternhaus vor allzu drastischem Staatseinfluss beh\u00fctet, soweit es eben ging. So wurde aus ihm einer, der ein Leben in der Nische suchte und das Gl\u00fcck hatte, nie ernsthaft mit dem Herrschaftsapparat aneinander zu geraten, bevor in der \u201eHeldenstadt\u201c die Selbstaufl\u00f6sung des absurden Zonenstaats eingeleitet wurde.<br \/>\nEine Biografie, gar Lebensbeichte im engeren Sinne oder literarisch verfeinert ist das alles nicht. Flott geschrieben allerdings und ein quietschbuntes, detailverliebtes, gelegentlich unweinerlich-melancholisches Kaleidoskop der Erinnerungen bietet Lange \u2013 einen immer noch gen\u00fcgend naiv-unschuldigen Innenblick auf eine Jugend in der vielleicht am wenigsten tristen Stadt des Arbeiter- und Bauernstaates. Inklusiver vieler D\u00e9j\u00e0-Vus f\u00fcr Leser, die zur gleichen Zeit in Leipzig jung waren. Den Rest wirds sicher weniger interessieren. Aber danke, dass es mal jemand aufgeschrieben hat. Bevor die Erinnerung endg\u00fcltig verblasst, wie es wirklich war, damals in der DDR.<br \/>\n<em>Augsburg<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.scherbelberg.de\" Target=\"_blank\">www.scherbelberg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Westpakete, Fahnenappell und Kleinmesse: eine Jugend im Leipzig der Achtziger Rezension zu &#8222;Sascha Lange: DJ Westradio\u201c, Aufbau Verlag; erschienen in Kreuzer 03\/2007 Eine seltsame Zeit war das. 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