{"id":157,"date":"2007-04-04T11:17:56","date_gmt":"2007-04-04T09:17:56","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=157"},"modified":"2009-10-04T11:18:53","modified_gmt":"2009-10-04T09:18:53","slug":"%e2%80%9earm%e2%80%9c-klar-aber-wo-bleibt-%e2%80%9esexy%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=157","title":{"rendered":"\u201eArm\u201c, klar, aber wo bleibt \u201esexy\u201c?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wirtschaft f\u00f6rdert Kultur? Gut! Aber auch Kultur ist Wirtschaft. Und mehr.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gastkommentar; erschienen in <a href=\"http:\/\/www.kreuzer-leipzig.de\" Target=\"_blank\">Kreuzer<\/a> 04\/2007<\/em><\/p>\n<p>\u201eRosig sieht die Gegenwart leider nicht aus\u201c, bilanziert Kulturbeigeordneter Georg Girardet das Verh\u00e4ltnis von Kultur und Wirtschaft in Leipzig schlicht nach dem R\u00fcckgriff auf \u201ef\u00fcr das B\u00fcrgertum des 18. und 19. Jahrhunderts identit\u00e4tsstiftenden Initiativen\u201c. Jaja, die guten alten Zeiten, in denen \u201eselbstbewusste Kaufleute den Ton angaben\u201c und \u201ewohlt\u00e4tiges Wirken dem Selbstbild entsprach\u201c. Ach du je \u2026 <!--more--><br \/>\nPflichtbewusst dient Leipzigs oberster Kulturvertreter der Wirtschaft also sein Ressort als erprobtes Marketingtool an und beschw\u00f6rt gleichzeitig eine Wiederbelebung von \u201eb\u00fcrgerschaftlichem Engagement\u201c. So, als ob es das im Leipzig des 21. Jahrhunderts nicht g\u00e4be. Leipzig muss seinen gern offiziell gepflegten deutlich angestaubten Kulturtraditionalismus endlich durch einen zeitgem\u00e4\u00dfen Kulturbegriff ersetzen.<br \/>\nZeitgem\u00e4\u00df ist ein Verst\u00e4ndnis von Kultur, das den kulturellen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt demografischen Gegebenheiten des 21. Jahrhundert Rechnung tr\u00e4gt. Eines, das nicht fatalistisch und sich in einem permanenten R\u00fcckzugsgefecht w\u00e4hnend agiert. Das Kultur als allt\u00e4glichen Prozess \u00e4sthetischer Auseinandersetzung, als sicher nicht nur intellektuellen Genuss und anregende Unterhaltung begreift. Diese Kultur wird immer von Menschen \u2013 B\u00fcrgern \u2013 m\u00f6glich gemacht, die hier leben und hier arbeiten und diese Kultur wiederum auch nutzen.<br \/>\nJa, es ist ein hehres Anliegen und per se begr\u00fc\u00dfenswert, wenn sich potente Wirtschaftsunternehmen \u2013 PC-Ware oder BMW, aber auch die kleine noch nicht mal mittelst\u00e4ndische Druckerei im Hinterhof, die zum Beispiel unser Programmheft drucken will \u2013 ungefragt aktiv werden, um Kultur zu f\u00f6rdern. Gern auch mit einer \u201eKulturmesse\u201c, wenn sie denn gut gemacht ist. (Der Auftakt gebende \u201eKongress\u201c war \u2013 mit Verlaub \u2013 nicht gut gemacht.)<br \/>\nAber Sponsoring ersetzt keine Kommunalpolitik.<br \/>\nEs scheint sich ausgerechnet im Rathaus der an gro\u00dfen Visionen sonst nie armen Stadt Leipzig noch nicht herumgesprochen zu haben, dass sich Soziologie, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften selten so einig gewesen sind wie in einem Punkt: Starkes kreatives Potenzial ist eine der raren Chancen, sich im versch\u00e4rften St\u00e4dtewettstreit um Wirtschaftsansiedlungen und Bev\u00f6lkerungszuwachs zu behaupten. St\u00e4dte verkaufen sich heutzutage mehr denn je \u00fcber fr\u00fcher gern als \u201eweich\u201c geschm\u00e4hte Standortfaktoren. Kriterien wie \u201eLebensqualit\u00e4t f\u00fcr junge Menschen\u201c, \u201eg\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr kreative Berufe\/T\u00e4tigkeiten\u201c, \u201eAu\u00dfenwahrnehmung als ,sexy\u2019\u201c haben enorm an Bedeutung gewonnen. Es m\u00fcsste doch hohe Priorit\u00e4t haben, dies nachhaltig und systematisch zu f\u00f6rdern.<br \/>\nWie sieht es statt dessen aus? Der seit einem guten Jahr diskutierte \u201eKulturentwicklungsplan\u201c spricht seinen eigenen Pr\u00e4missen \u2013 \u201eJugend\u201c und \u201eMusik\u201c \u2013 (zumindest aus unserer Sicht) Hohn und ist obendrein immer noch im Entwurfsstadium. Ein \u201eKulturwirtschaftsplan\u201c, also die fundierte Aufrechnung kulturinduzierter Wirtschaft und der realen kommunalen Effekte kultureller Aktivit\u00e4ten, existiert nicht nur nicht, sondern ist meines Wissens \u2013 ich lie\u00dfe mich da liebend gern korrigieren \u2013 nicht mal in Planung. Und die aktuellen \u201eKulturpolitischen Leitlinien\u201c Leipzigs stammen nicht nur buchst\u00e4blich aus dem letzten Jahrhundert. <em>Diese<\/em> Bilanz ist \u201enicht rosig\u201c.<br \/>\nAus unserem Blickwinkel, n\u00e4mlich dem der doppelt freien \u2013 nicht staatlich institutionellen, nicht gef\u00f6rderten und obendrein noch \u201eU\u201c-Kultur \u2013 Szene ist die Stadt in einer Bringeschuld. Wir wollen nicht mal unbedingt Geld. Wir wollen kommunale Strukturen mit politisch gef\u00f6rderten Visionen und kompetenten Ansprechpartnern, die Kulturtr\u00e4ger (auch jenseits der schwer genug erk\u00e4mpften Euroscene\/naTo-Lobby) nicht als Spinner abtun. Denn auch \u201ewir\u201c \u2013 \u201ePop Up\u201c ist ein Beispiel und kleiner Teil davon \u2013 sind es, die Leipzig zukunftsf\u00e4hig machen. Wir sind Kultur. Wir sind Wirtschaft. Und wir sind \u201eb\u00fcrgerschaftliches Engagement\u201c. <\/p>\n<p><em>J\u00f6rg Augsburg geh\u00f6rt zu den Mitbegr\u00fcndern und Organisatoren der Leipziger Musikmesse \u201ePop Up\u201c, die vom 10. bis 13. Mai zum sechsten Mal die Protagonisten der unabh\u00e4ngigen deutschen Pop- und Rockmusikszene in Leipzig versammelt.<\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaft f\u00f6rdert Kultur? Gut! Aber auch Kultur ist Wirtschaft. Und mehr. Gastkommentar; erschienen in Kreuzer 04\/2007 \u201eRosig sieht die Gegenwart leider nicht aus\u201c, bilanziert Kulturbeigeordneter Georg Girardet das Verh\u00e4ltnis von Kultur und Wirtschaft in Leipzig schlicht nach dem R\u00fcckgriff auf \u201ef\u00fcr das B\u00fcrgertum des 18. und 19. Jahrhunderts identit\u00e4tsstiftenden Initiativen\u201c. Jaja, die guten alten Zeiten, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/augeweb.de\/?p=157\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201eArm\u201c, klar, aber wo bleibt \u201esexy\u201c?\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/157"}],"collection":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=157"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":160,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions\/160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}