{"id":184,"date":"2006-04-04T13:38:57","date_gmt":"2006-04-04T11:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=184"},"modified":"2009-10-04T13:39:56","modified_gmt":"2009-10-04T11:39:56","slug":"wundertute-late-night","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=184","title":{"rendered":"Wundert\u00fcte Late Night"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Trash-Niederungen zu Hochkultur-Weihen \u2013 der Talk zum Leipziger Show-Boom<\/strong><br \/>\nModeration: Augsburg<\/p>\n<p><em>Erschienen in <a href=\"http:\/\/www.kreuzer-leipzig.de\" Target=\"_blank\">Kreuzer<\/a> 04\/2006<\/em><\/p>\n<p>Entertainment von \u201eSchnapslatte\u201c bis Karikaturenstreit \u2013 die Grenzen zwischen Trash und Feuilleton verwischen sich schnell auf den Show-B\u00fchnen der Stadt. Es gibt eine illustre und vielf\u00e4ltige Szene, der Show-Boom in den Leipziger Clubs erlebt einen ungebrochenen Aufschwung. Das zahlreiche Publikum erfreut sich auch ohne heimischen Fernseher an Talk mit mehr oder weniger prominenten G\u00e4sten, bissigen Kommentaren zur Zeit, selbtsdarstellungswilligen Newcomern, an Literatur, Musik und \u2013 neuerdings \u2013 sogar Kochen. Vier Show-Macherinnen und -Macher unterhalten sich im KREUZER-\u201eTalk\u201c \u00fcber das Agieren im Scheinwerfer-Licht, den Umgang mit G\u00e4sten, moralische Grenzen und ihre Motivation weitab vom Broterwerb. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Was ihr macht, f\u00e4llt gemeinhin unter den Genrebegriff \u201eKleinkunst\u201c.<\/strong><br \/>\n<b>Anja Niemann:<\/b> Ich gehe!<br \/>\n<b>Ralf Donis:<\/b> Ich wei\u00df nicht, wodurch und wann sich \u201eKleinkunst\u201c zum Schimpfwort entwickelt hat. Aber irgendwas muss der Grund sein, warum man immer zusammenzuckt, wenn jemand das Wort sagt.<br \/>\n<b>Andre Kudernatsch:<\/b> Das ist beim Kabarett genauso.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> \u201eKabarett\u201c ist auch zum Zusammenzucken. Was verbindet man denn so Negatives mit Kleinkunst?<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Kein Geld!<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Ich seh da immer schlecht dargebrachte Zauberkunstst\u00fccke vor meinem Auge.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Und wenig Publikum.<br \/>\n<strong>Das sind nat\u00fcrlich Dinge, die es bei euch allen nicht gibt: schlechte Kunstst\u00fccke auf der B\u00fchne und wenig Publikum!<\/strong><br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Hmm \u2026 naja \u2026 schlechte Kunstst\u00fccke \u2026<\/p>\n<p><strong>Ihr seid Show-Macher. Ihr m\u00fcsst euch selbst in Szene setzen, steht oft direkt im Scheinwerferlicht \u2026<\/strong><br \/>\n<b>Donis:<\/b> Am Anfang hat man damit schon Probleme. Wenn man das noch nicht hundertprozentig kann, sich in Szene zu setzen, kaschiert man das, indem man sich G\u00e4ste einl\u00e4dt. Von denen erhofft man sich, dass sie 50 Prozent des Abends mitgestalten. Da ist man gl\u00fccklich mit einem Gast, der auch entertainen kann. Sich selbst mit dem richtigen Timing in Szene zu setzen, lernt man erst \u00fcber die Jahre. Und jetzt haben wir bei den \u201eToledo Nites\u201c endlich gesagt: Wir brauchen keine G\u00e4ste, wir bringen nur uns selbst!<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Bei mir ist es gerade umgekehrt. Ich lade mir sehr gerne G\u00e4ste ein und nehme mich dann auch zur\u00fcck, wenn ich merke, dass die gut erz\u00e4hlen, dass die toll agieren. Wenn ein Olaf Schubert da ist, was soll ich dann versuchen, den zu killen? Solche G\u00e4ste lass ich also gern machen und unterhalte mich auch gern mit ihnen. Der Gast ist der Wichtigste.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Man muss aber auf jeden Fall ein bisschen Rampensau sein.<br \/>\n<b>Janine Stoye:<\/b> Da w\u00fcrde ich mich lieber rausnehmen. Bei mir ist es immer so gewesen, dass ich sehr wenig auf der B\u00fchne agiere. Die ist eher eine Plattform f\u00fcr die Show an sich. Und was mich dann vielleicht zum \u201eShow-Macher\u201c macht, ist tats\u00e4chlich mehr das Machen im Hintergrund.<br \/>\n<strong>Aber auch hast dich ja auf die B\u00fchne gestellt und dich zu erkennen gegeben: \u201eHier, das ist meine Show!\u201c <\/strong><br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Das ist dann eher ein roter Faden, der sich durch meine Person ergeben hat. Das aktive Gestalten und die Unterhaltung auf der B\u00fchne geschah ausschlie\u00dflich durch die G\u00e4ste. Was bei \u201eToledo Nites\u201c passiert, w\u00fcrde ich mir nicht zutrauen: zwei Stunden man selbst zu sein und konstant witzig.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Ich mache gerne was zu zweit. Wenn man jemanden gefunden hat, der \u00e4hnlich tickt oder vielleicht den gleichen Humor hat, kann man sich unglaublich gut die B\u00e4lle zuwerfen. Alleine moderieren ist der Tod. Das habe ich auch schon mal versucht. Aber dann hast du mal einen Aussetzer oder hast dich verquatscht, dann gehts nicht weiter. Wenn du zu zweit bist, springt immer der andere ein. Ob mit G\u00e4sten oder ohne, ist dann eigentlich egal. Nat\u00fcrlich ist es mit G\u00e4sten unterhaltsamer, weil dann neue Energie reinkommt.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Zu zweit muss auf jeden Fall die Chemie stimmen. Und auch da m\u00fcssen sehr viele Erfahrungswerte ins Land gehen, bis sie stimmt und man sich nicht nur ins Wort f\u00e4llt, sondern wirklich erg\u00e4nzt.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Genau. Bei mir war es \u00fcbrigens auch so: Irgendwann verliert man die Angst. Am Anfang war ich total aufgeregt, das habe ich jetzt \u00fcberhaupt nicht mehr. Ich freu mich auch total dar\u00fcber, dass mir nichts mehr peinlich ist. Es passiert was und man sagt: \u201eJetzt ist es gerade mal nicht so unterhaltsam. Weiter gehts.\u201c Man traut sich, viel normaler zu sein. <\/p>\n<p><strong>Inwieweit plant ihr durch, was auf der B\u00fchne passieren soll. Ist das eher eine exakte Minutentaktung oder \u201eMal sehen, was kommt\u201c?<\/strong><br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Ich geh\u00f6re zur \u201eMal sehen, was kommt\u201c-Fraktion.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Bei uns war es immer auf dem Punkt getimet. Da ger\u00e4t man dann schon mal ins Schwitzen, wenn ein junger Poet, der sich dann auch noch als nicht all zu sehr talentiert herausstellt, zehn Minuten l\u00e4nger auf der B\u00fchne sitzt.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Dadurch, dass wir auch \u2013 in Anf\u00fchrungszeichen \u2013 \u201egro\u00dfe\u201c G\u00e4ste haben, muss es schon einigerma\u00dfen durchgestrickt sein. Es gibt keine Minutenvorgaben aber einen Ablauf, wer wann dran ist. Wenn jemand wie Fips Asmussen knallhart sagt, er geht in der Pause, w\u00e4re es nat\u00fcrlich bl\u00f6d, ihn erst nach der Pause einsetzen zu wollen. Solchen Leuten gegen\u00fcber muss man eine gewisse Professionalit\u00e4t vorzaubern. Auch die Band \u2013 das sind Hallenser! \u2013 muss ja wissen, wann sie spielt.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Das ist immer ganz unterschiedlich. Gerade in der \u201eNotaufnahme\u201c gibt es Sachen, die f\u00fcnf Minuten vorher entstehen, da wird nie was geplant. F\u00fcr eine AIDS-Gala in der Moritzbastei beispielsweise mussten wir dann schon ein richtiges Programm entwickeln.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> F\u00fcr mich ist es ein Gewinn, dass man es mittlerweile geschafft hat, auf ein Zeitlimit zu kommen. Bei meiner allerersten Show, haben wir es geschafft, viereinhalb Stunden zu machen \u2013 statt zwei. Da wurden nur die Themen geplant und wer der Gast ist. Das war so anarchisch, dass wir selbst Standup-Sachen nur im Ansatz geplant haben. Nach dem Motto: Mal sehen, ob eine Pointe kommt, oder nicht. Ob sich was entwickelt \u2013 oder wir halt abkacken. Mittlerweile gibt es so geplante Programmfenster, bei denen man den zeitlichen Ablauf einsch\u00e4tzen kann und es gibt ab und zu sogar bei den Standup-Teilen schon eine erarbeitete Pointe. Wir sind also jetzt ganz stolz darauf, dass wir um die zwei Stunden liegen. Wahrscheinlich, weil wir keine G\u00e4ste mehr haben. (alle lachen)<\/p>\n<p><strong>Andre, du geh\u00f6rst ja zu den Show-Opas in der Stadt \u2026<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Es war im Oktober 98 in Ilses Erika, als alles begann. Da gabs auch die \u201eChrisse Krass Show\u201c, die fand ich gro\u00dfartig. Und ich war immer ganz traurig, dass Chrisse so eine tolle Show machte \u2013 ich selbst fand mich gar nicht so toll. Bei dem war immer was los, und ich hatte irgendwie zwei Literaten, die was vorgelesen haben. Also hab ich irgendwann angefangen, die zu interviewen und dann haben die Leute von der Ilse gesagt: \u201eMensch, das ist ja viel lustiger, wenn du mit denen redest, als wenn die ihren Mist vorlesen.\u201c Und so hat sich das nach und nach zur Talk-Show entwickelt.<br \/>\n<strong>Muss man da ein geborener Kasper sein?<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Ich denke, es hilft.<br \/>\n<strong>Die \u201eKautsch\u201c ist ja praktisch der Platzhirsch in der Show-Szene \u2026<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Na, ich wei\u00df nicht.<br \/>\n<strong>\u2026 sie existiert am l\u00e4ngsten, findet in einer gr\u00f6\u00dferen Location statt und hat die gr\u00f6\u00dften G\u00e4ste. <\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Das mit den G\u00e4sten ist ja nur m\u00f6glich, weil es inzwischen Sponsoren gibt.<br \/>\n<strong>Du hast sogar Sponsoren?!?<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Ja, die Sparkasse und Marktkauf. (allgemeine Heiterkeit) Da gibts nichts zu lachen! Die haben mir Fips Asmussen erm\u00f6glicht! Und Roberto Blanco! So was war mit dem Budget damals in der Ilse einfach nicht m\u00f6glich.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Was nimmt denn Roberto Blanco f\u00fcr so einen Auftritt?<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Das darf man nat\u00fcrlich nicht verraten!<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Hat man da die Kunstfigur Roberto Blanco auf der Kautsch sitzen oder kommt man tats\u00e4chlich an den Menschen ran?<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Da kommt man wirklich ran. Ich h\u00e4tte vorher auch nicht gedacht, dass gerade die gro\u00dfen Show-Schiffe eigentlich richtig nett sind und auch allen Quatsch mitmachen. Roberto Blanco hat sich da auf alles eingelassen.<br \/>\n<strong>&#8230; was nicht wirklich verbl\u00fcffend ist, oder? <\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Das macht dann schon Spa\u00df. Oder wenn Leute, die man fr\u00fcher, als man noch ganz klein war, aus dem Fernseher kannte, tats\u00e4chlich da sind.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Bist du dann aufgeregter?<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Nee, eigentlich nicht. Aber wenn man sie anfragt, muss man immer  ganz dolle lieb sein. Man blendet sie nat\u00fcrlich auch ein bisschen mit den G\u00e4sten, die schon da waren, damit die sich untereinander austauschen. Ich hatte mal Peter Escher da und der hat dann Lippi angerufen, er solle da nicht hingehen, das sei ganz schlimm! Lippi hat mich dann angerufen und ich hatte an dem Tag gerade Geburtstag. Ich hab ihm dann gesagt, er k\u00f6nnte nicht absagen, ich h\u00e4tte Geburtstag. Da hat er gesagt: \u201eOkay, dann komme ich doch.\u201c Er hats nicht bereut, das war dann ja auch mit Achim Mentzel.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Wolfgang Lippert und Achim Mentzel? Geil! <\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnt ihr auf ein Stammpublikum bauen?<\/strong><br \/>\n<b>Donis:<\/b> Man versucht zumindest, sich eins zu erarbeiten. Das ist eine harte, relativ langwierige Arbeit. Das macht dann aber schon mal soundso viele Pl\u00e4tze voll, so dass es gut aussieht, wenn auch Nicht-Stammg\u00e4ste reinschauen. Bei jeder Show, bei der ich mitgewirkt habe, gab es so ein spezifisches Stammpublikum.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Gerade in Ilses Erika hat das Publikum auch den Show-Dienstag im Kopf. Die wissen, dass irgendeine Show ist, und brauchen dann blo\u00df noch entscheiden, ob sie zu der jeweils gerade stattfindenden gehen wollen.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Ich musste mir eigentlich immer mal wieder ein neues Stammpublikum erspielen. Nat\u00fcrlich durch den Wechsel in die Moritzbastei, aber auch, weil es die Show schon acht Jahre gibt. Leute, die vor acht Jahren mal hingegangen sind, haben inzwischen einen Beruf und Familie und gehen nicht mehr zu solchen Shows oder sind gar nicht mehr in Leipzig. Aber es gab da nie einen  wirklichen Knick. Und jetzt ist es durch die besonderen G\u00e4ste auch so, dass dann die Fans von dem speziellen Gast kommen, also die Fips Asmussen-Fans zum Beispiel.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Die \u201eNotaufnahme\u201c gibts ja erst seit Herbst und ich war v\u00f6llig \u00fcberrascht, wie das eingeschlagen hat. In diesem kleinen Raum sind dann jeden Freitag 200 Leute. Bei schlechter Luft dann nat\u00fcrlich. Und ich glaube, es kommen auch ein paar wegen der Show an sich. Aber durch die Schaufenster haben wir vielGottschedstra\u00dfen-Laufpublikum. Das ist manchmal sehr interessant. Das ist f\u00fcr die Leute wahrscheinlich eine Art Wundert\u00fcte, die wissen ja nie, was an dem Tag gerade passiert. <\/p>\n<p><strong>Ist es w\u00fcnschenswert, das Publikum einzubinden?<\/strong><br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Es gibt nat\u00fcrlich so ein paar Gro\u00dfm\u00e4uler mit dummen Spr\u00fcchen, die sind anstrengend. Aber ansonsten \u2026<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Wir planen eigentlich fast immer eine \u201einteraktive\u201c kurze Sache bei jeder Show. Das bindet die Leute viel besser. Neulich haben wir beispielsweise die OBM-Wahl vorweggenommen. Ich habe zu jedem Kandidaten eine kurze Antrittsrede gehalten, es gab richtig vorgedruckte Wahlzettel und die Leute konnten in der Pause w\u00e4hlen \u2026<br \/>\n<strong>Wer hat gewonnen?<\/strong><br \/>\n<b>Donis:<\/b> Dietmar Pellmann! (der PDS-Kandidat, d. A.) Also solche Sachen kommen gut an. Und f\u00fcr die Extrem-Zwischenrufer, diese Kaputtmacher, die man vielleicht mal hat, hab ich immer drei Euro einstecken. Denen w\u00fcrde ich sofort den Eintritt \u00fcberreichen und sie dann auch bitten, sofort zu gehen. Es ist allerdings noch nie passiert.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Es hat da ganz am Anfang der Kautsch so ein P\u00e4rchen gegeben, das immer rumst\u00e4nkerte. Und ohne gro\u00df dr\u00fcber nachzudenken, hab ich dann gesagt: \u201eNa, wenn ihr was zu erz\u00e4hlen habt, dann kommt doch nach vorn!\u201c<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Das kann aber auch nach hinten losgehen.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> (lacht) Ja! Das ging aber gut. Die standen jedenfalls ganz dumm vorn da und haben versucht irgendwas vorzutragen. Und wurden unter gro\u00dfem Hallo verabschiedet.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Es w\u00e4re vielleicht ein gute Idee, das andere Publikum abstimmen zu lassen, was mit den St\u00f6rern passieren soll.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Zu viel waltende Demokratie nervt die Leute an.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Die wollen ja unterhalten werden.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Und wer zu Shows kommt, die ich mache, will Boshaftigkeiten erleben.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Aber wenn jemand zu sp\u00e4t kommt, kannst du schon mal das  Publikum fragen und um Handzeichen bitten, ob es einverstanden ist, dass derjenige noch teilnimmt.<br \/>\n<strong>Das ist ja die ganz billige Motivations-Masche!<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Nat\u00fc\u00fc\u00fc\u00fcrlich! Alt und bew\u00e4hrt.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Eigentlich ist es ja eher so, dass man schon vorab im Kopf selbst auf das Publikum eingeht. Wenn man merkt, dass irgendwas bei den Leuten definitiv funktioniert, dann erarbeitet man die neuen Sachen schon in die Richtung. Man darf nat\u00fcrlich dabei nicht vergessen, auch das zu machen, was man selbst gut findet, von dem man aber schon wei\u00df, dass es nicht so gut funktioniert.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Es gab auch mal \u2019ne Zeit, da hatte ich Geschenke f\u00fcr das Publikum, einen Zimmerspringbrunnen \u2026<br \/>\n<strong>Das ist ja noch billiger! <\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> \u2026 also so Geschenke von meinen Eltern \u2013 wie Zimmerspringbrunnen \u2013 die sind nat\u00fcrlich sofort etwas f\u00fcr die Show.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Was f\u00fcr umsonst geht immer! Wir haben ja in fast jeder Show die \u201eSchnapslatte\u201c. Da ist immer irgendein obskurer Lik\u00f6r drin und die Leute greifen bei allem zu, ob es Eierlik\u00f6r ist oder sonst was \u2026 Das Sch\u00e4rfste dabei ist ja, dass man merkt, wie versoffen die Leute sind. Es gab lange Zeit eine Quizshow, wo es richtig um Geld ging. Der ganze Eintritt war der Jackpot, da ist zum Teil richtig viel Geld zusammen gekommen. Aber die ist echt schlecht gelaufen. Jetzt gibt es eine Quizshow, wo man bis zu 124 Flaschen Bier gewinnen kann, und das Ding ist voll!<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Das ist ja witzig! Das find ich gut! <\/p>\n<p><strong>Gibt es f\u00fcr euch eine Art Show-Hierarchie, also eine Abstufung von \u201etop\u201c zu \u201eunterirdisch\u201c? <\/strong><br \/>\n<b>Donis:<\/b> Es gab da im Ilses Erika ein paar Versuche, wo man selbst interessehalber im Publikum sitzt und diesen Effekt hat, dass man sich selbst mitsch\u00e4mt, obwohl man gar nicht auf der B\u00fchne steht. Aber da muss man auch tats\u00e4chlich keine Namen mehr nennen. Eine ganz wichtige Show \u2013 Andre hats schon angesprochen \u2013 war die \u201eChrisse Krass Show\u201c. Da hab ich das erste Mal \u00fcberhaupt so etwas gesehen. Ich w\u00e4re selbst nie auf die Idee gekommen, so ein Late Show-Format in einem Club auf der B\u00fchne live f\u00fcr Leute zu machen. Ich war da als Gast und dachte: Wie gro\u00dfartig ist das denn?!? Und schon bei der ersten Show war klar, dass ich so etwas \u2013 ganz anders \u2013 auch machen will. Das war eine Initialz\u00fcndung.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Es gibt ja auch die richtig \u201enetten\u201c Shows. \u201eHopp oder Topp\u201c zum Beispiel. Das sind richtig freundliche, interessierte Interviews mit den Nachwuchsk\u00fcnstlern. Da geht es \u00fcberhaupt nicht darum, die irgendwie dumm dastehen zu lassen. Das finde ich f\u00fcr die Sache sehr angemessen.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Man muss schon darauf achten, was man dem Publikum anbieten darf \u2013 und was nicht. Wir hatten ja auch solche Interviews mit Leuten von der Stra\u00dfe. Die machen sich selbst \u2026 nicht l\u00e4cherlich, aber die Grenze ist sehr d\u00fcnn. Das Publikum \u00fcberschreitet die dann schnell, weil es meint, das m\u00fcsse nun lustig sein, weil es nicht zum eigenen Lebensbereich geh\u00f6rt.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Ich wei\u00df nicht, wie es entstanden ist, aber es hie\u00df eine Zeit lang, dass die Leute, die ich einlade, immer fertig gemacht werden. Aber das war gar nicht so. Oder es war, wenn es passierte, nicht geplant. Ich hatte mal Dagmar Frederic eingeladen und wollte die halt nett und lustig interviewen. Dann ist die aber echt zickig gewesen und fing an, richtig b\u00f6se zu werden. Das war gar nicht meine Absicht, das fand ich bl\u00f6d.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Da gibt es eben unterschiedliche Ans\u00e4tze. Zu unserer \u201eDU Show\u201c vor ein paar Jahren kamen die Leute genau deswegen. Die wussten, da wird irgendein Gast eingeladen und der wird an dem Abend nackig ausgezogen. Einige von denen gr\u00fc\u00dfen mich bis heute nicht. Das war auch okay und gut aber heute w\u00fcrde ich das anders machen. <\/p>\n<p><strong>Wo liegt denn die moralische Grenze, die man nicht \u00fcberschreiten will?<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Ich hab letztens \u201eWetten dass\u201c gesehen, da musste sich so ein italienischer  Modemensch ausziehen, weil er falsch getippt hat. Das fand ich schei\u00dfe. Jemanden in der Show per Publikumsklatschen zu so was zu zwingen.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Wir haben mal einen Flyer entdeckt \u2013 \u201ePutze nackt gratis!\u201c \u2013 und dort angerufen. Wir arbeiten relativ viel mit Live-Anrufen in der Show. Ich bin dann aber ganz schnell in mich zusammen gesunken, der hatte offensichtlich ein echtes Problem. Und der wollte auch total gern in die Show kommen und hinterher kamen die Leute an: \u201eMacht das doch!\u201c Nein, no way! Aber ich mache auch keinen Grenzenkatalog auf, wo drin steht, was ich nicht mache.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Ich glaube, so eine Grenze ist auch eine Frage des Moments.<br \/>\nDas l\u00e4sst sich nicht planen. Das kommt aufs eigene Adrenalin an, aufs Publikum, darauf, wie der andere auch mitgeht. Mir wird zum Beispiel buchst\u00e4blich zu hei\u00df, ich krieg Angst. <\/p>\n<p><strong>Muss es eine gewisse Grund\u00fcbereinstimmung zwischen Publikum und Show-Macher geben, wen oder was man gut findet, welche Art Humor man mag?<\/strong><br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Das muss es ein St\u00fcck weit schon geben, sonst funktioniert es nicht. Das merkt man auch sofort, die h\u00f6ren nicht mehr zu, quasseln \u2013 sofort Unruhe. Das ist wie bei kleinen Kindern, wenn die etwas nicht interessiert, fangen die an miteinander  zu reden, egal, ob das jetzt st\u00f6rt. Man muss die schon immer wieder kriegen. Ein Konsens muss schon sein.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Es muss wohl bei uns auch so sein. Ich war zum Beispiel selbst \u00fcberrascht, als wir in der letzten Show flei\u00dfig karikiert und alle Weltreligionen besudelt haben. Ich dachte vorher, das w\u00e4re ein hei\u00dfes Eisen, also echt herb \u2013 aber alle fanden es total lustig und es war einfach nur die gro\u00dfe Nummer des Abends. Jemand wollte sogar meine Mohammed-Karikatur mit Autogramm haben. \u2026 Vielleicht war das aber auch ein Schl\u00e4fer, der Beweismaterial gesammelt hat. (alle lachen) <\/p>\n<p><strong>Ist Leipzig wirklich so ein gutes Pflaster f\u00fcr diese Art Entertainment? Zumindest die Angebotsf\u00fclle scheint es ja nirgendwo sonst zu geben. <\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Ich mache die Kautsch ja auch in Erfurt und da ist das Publikum ganz anders. Der Th\u00fcringer braucht wohl die erste H\u00e4lfte der Show, bis er merkt, was passiert und dann l\u00e4sst er sich erst drauf ein. Inzwischen geht es, aber am Anfang wars ganz schlimm.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Die Leipziger gehen tats\u00e4chlich wohl besonders gern zu solchen Veranstaltungen. Es gibt ja auch nicht so den Schutzraum wie im Theater, dass man im Dunkeln sitzt und zuguckt, sondern man muss eigentlich damit rechnen, dass man mit reinkommt. Da haben die irgendwie Bock drauf.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Wir hatten ja auch G\u00e4ste aus M\u00fcnchen oder Hamburg, die uns nach der Show gesagt haben: \u201eSo was habe ich noch nie erlebt, so was gibts bei uns gar nicht.\u201c Leipzig hat da schon eine Ausnahmestellung, mindestens in Hinsicht auf die Vielzahl der Shows. Dabei spricht eigentlich alles dagegen, es gibt ja in Leipzig keinerlei Lobby f\u00fcr solches Late Night-Entertainment. Das merkst du auch an dem relativen Medien-Desinteresse. Au\u00dferdem gibt es das Umfeld in dem Sinne gar nicht. In Hamburg kannst du bei so einer Show auch mal Dieter Bohlen als Gast haben, der wohnt da halt. Das wird in einer Stadt wie Leipzig etwas schwierig. Wenn man hier einen fetten Namen haben will, dann kommt Sebastian Krumbiegel. Und der wird wohl auch nicht mehr wiederkommen. (allgemeine Heiterkeit)<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Da sind eben die Sponsoren ganz gut, man kann mal jemand einfliegen lassen.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Wenn du in Leipzig eine Literatur-Show machst, dann wissen die Leute genau, was sie erwartet und es gibt da auch eine lange Tradition. Late Night-Unterhaltung musst du dagegen immer wieder definieren. Das ist eben nicht K\u00f6ln oder Berlin, wo das an der Tagesordnung ist, wo jeder zweite Comedy macht.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Warum sollte man so eine Lobby einfordern? Ich finde die Shows in diesem subkulturellen Rahmen gut aufgehoben. Da geh\u00f6ren sie auch hin.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Zu mir kommen auch immer Leute: \u201eMensch, so was m\u00fcsste man doch im Fernsehen machen, wieso machst du das nicht im Fernsehen?\u201c Naja, so einfach ist es eben nicht. Da geht ja viel verloren. Da kannst du ja nicht mal eben zwei Stunden machen, oder auf drei \u00fcberziehen. Das w\u00fcrde ja eher auf eine halbe Stunde gequetscht. Du m\u00fcsstest dich den \u201eZw\u00e4ngen des Mediums\u201c unterordnen.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Es ist aber so, dass dieses hervorragende Niveau, was geboten wird \u2013 da rede ich nat\u00fcrlich nicht nur von meiner Show \u2013 immer nur ein kleiner Kreis mitbekommt. Und es sollte eine viel gr\u00f6\u00dfere Beachtung erfahren, was dort passiert.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Ich glaube aber, dass sich die Show-Szene hier keinen Gefallen tun w\u00fcrde mit einer Fernsehpr\u00e4senz. Gerade du, Donis, m\u00fcsstest dich mit \u201eToledo Nites\u201cso eingrenzen, die Spontanit\u00e4t w\u00fcrde komplett verloren gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du das willst.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Die freien M\u00f6glichkeiten im Ilses Erika m\u00fcsste ich ja nicht aufgeben. Aber es w\u00e4re doch auch nicht uninteressant, mit dem, was man sich erarbeitet hat und dem bisschen Naturtalent auch mal Geld zu verdienen. <\/p>\n<p><strong>Das ist sowieso ein Thema f\u00fcr sich: Was treibt einen denn an, sich Monat f\u00fcr Monat derartige M\u00fche zu machen? Zum Lebensunterhalt wird es ja wohl nicht viel beitragen. Au\u00dfer bei Andre vielleicht \u2026<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Nee, gar nicht! Das klingt jetzt total bescheuert, aber ich mache das, weil es mir selbst Spa\u00df macht und weil ich es toll finde. Das ist die Motivation. F\u00fcr mich ist das nicht wirklich gewinnbringend. Und da rechne ich noch gar nicht die Vorbereitungszeit rein oder die Telefonate. Meine Freundin sagt immer: \u201eDas ist ein sehr teures Hobby.\u201c<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Das stimmt. Ich mach das ja auch in meiner Freizeit, am Schauspielhaus bin ich f\u00fcr was anderes engagiert. Das Schlimmste ist echt die Vorbereitungszeit und was du alles selbst besorgen musst. Und f\u00fcr eine Late Night-Show ist der Theaterbetrieb einfach nicht ausgelegt.  Aso setze ich mich hin und bastele oder kaufe etwas. Da stecke ich mehr Geld rein, als ich bekomme. Ich wei\u00df aber genau, was Donis meint. Es gibt so Momente, wo man denkt: \u201eDu rei\u00dft dir so derma\u00dfen den Arsch auf und bist auch echt zufrieden, weil du gut bist. Aber jetzt noch 1,50 Euro daf\u00fcr w\u00e4re schon nicht schlecht.\u201c<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Schade ist auch, wenn du einen guten Abend hattest \u2013 gerade mit Fips Asmussen und Olaf Schubert war es sehr lustig \u2013 und der ist dann einfach weg. Den gibts auch nicht als Mitschnitt. Da kann man dann noch in Erinnerungen schwelgen, aber das ist schade.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Was mich ganz besonders \u00e4rgert, ist Leipzig Fernsehen. Die werden ja nun wirklich zu Nullkommanull den Aufgaben gerecht, die sie eigentlich haben sollten.<br \/>\n<strong>Von einem Leipzig Fernsehen, das noch nicht mal in der Lage ist, die OBM-Wahlen zu begleiten, kann man wohl kaum ein Interesse f\u00fcr die Show-Szene erwarten. <\/strong><br \/>\n<b>Donis:<\/b> Jede Klitsche hat einen offenen Kanal, wo du mit einem Konzept hingehen kannst und was vorschlagen. Das f\u00e4llt hier weg. Hier gibts Leipzig Fernsehen, wo Leipzig nicht stattfindet, au\u00dfer in einer 80 mal am Tag wiederholten \u201eDrehscheibe\u201c.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Dabei k\u00f6nnten die sich doch einfach mal in so eine Show reinh\u00e4ngen \u2026<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Das haben die ja mal bei mir gemacht. Aber ohne mich zu fragen. Die sagten, sie machen einen Bericht, als Tiefensee auf der Kautsch war. Und irgendjemand erz\u00e4hlte mir dann: \u201eMensch, du arbeitest ja jetzt bei Leipzig Fernsehen.\u201c Da haben die eine halbe oder  gar dreiviertel Stunde verwendet und auch immer sch\u00f6n wiederholt. Die haben ihr Programm gef\u00fcllt, ohne dass da irgendwas verabredet war.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Es l\u00e4uft normalerweise ja so, dass du hinkommen kannst \u2013 und dann wird dir aufgerechnet, was die Minute kostet. Du m\u00fcsstest dich also einkaufen.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Ich begreife das, seit ich Shows mache, tats\u00e4chlich als Hobby. Das muss neben allem anderen laufen, was mir die Miete einbringt. Es ist eine M\u00f6glichkeit, einmal im Monat ein Programm zu gestalten, was man selbst im Kopf hat und auf die B\u00fchne bringt. F\u00fcr mich ist das \u2013 mal pathetisch gesagt \u2013 die M\u00f6glichkeit, Kostbarkeiten des Alltags einzufangen und den Leuten zu pr\u00e4sentieren. Und zu schauen, wie sie darauf reagieren. das reicht mir schon v\u00f6llig. <\/p>\n<p><strong>So eine Show hat schon etwas Messianisches. Sachen vorzustellen, die einem am Herzen liegen.<\/strong><br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Es ist ja auch was Tolles, wenn man die Leute zum Lachen bringt.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Genau, da geht einem das Herz auf! Man kriegt da eine ganz dicke Brust. Daf\u00fcr macht man es. Ich finde es total befriedigend, wenn die Leute klatschen, was sie ja auch immer wieder tun, und danach trinken und tanzen. Wunderbar, alles ist gut!<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Man hat die Macht und M\u00f6glichkeit, und das sch\u00e4tze ich auch sehr, Leuten etwas aufzudr\u00fccken, was einen selbst anmacht. (Zustimmung in der Runde) \u201eIch find das geil, damit befasst ihr euch jetzt die n\u00e4chsten zehn Minuten!\u201c<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Dass man denen auch was unterjubelt. Ich lade zur Show ja Leute ein, die ich richtig toll finde \u2013 oder eben Leute, die ich richtig kacke finde. Das fetzt, wenn du den Leuten sagst: \u201eGuckt euch jetzt diesen Menschen an!\u201c<br \/>\nNiemann, Kudernatsch (gleichzeitig): Das macht einfach Spa\u00df! <\/p>\n<p><strong>Wenn man euch die Mittel geben w\u00fcrde, das Budget f\u00fcr eine richtig geile Show \u2013 w\u00fcrde das nicht den Trash-Faktor zunichte machen, den Charakter der Show zerst\u00f6ren? <\/strong><br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Ich hab das bei dieser AIDS-Gala gemerkt. Das wird komplizierter. Ich finde, es wird eher anstrengend und man versucht, etwas anderes nachzumachen. Und was wir jetzt alle machen, ist was Eigenes.<br \/>\n<b>Donis:<\/b> Ich sag mal: Ein bisschen Budget w\u00e4r geil. Dann k\u00f6nnte man sich schon sehr viel erleichtern. Es kommt aber auch drauf an, wo das Budget herkommt. Ich hab die Angstblase, dass mit einem Budget auch irgendwelche Erwartungen reinkommen, an die du dich halten musst. Oder die du im Hinterkopf hast. An die du dich vielleicht sogar h\u00e4ltst, wenn du agierst. Ein bisschen w\u00e4r also okay, aber richtig viel ver\u00e4ndert die Show.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Durch die Sponsoren hat sich die Show schon ein bisschen ver\u00e4ndert. Sie ist nicht mehr ganz so trashig, ist ein bisschen erwachsener geworden, ein bisschen professioneller. Und wenns noch mehr Geld geben w\u00fcrde, dann w\u00fcrde ich gern Sachen f\u00fcr die Show kaufen, ein bisschen mehr Ausstattung. Mehr M\u00fcll, den ich den Leuten schenken kann.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Ein h\u00f6heres Budget erh\u00f6ht auch automatisch die Erwartungen. Deshalb bin ich mit dem Status Quo ganz zufrieden. Momentan sind wir ein paar Leute, die ungef\u00e4hr wissen, was sie tun. Mit erh\u00f6htem Budget w\u00fcrden so viele offene Fragezeichen dazu kommen: von \u201eWie viele G\u00e4ste kommen?\u201c bis \u201eWas wollt ihr denn erreichen?\u201c. Aber es ist ja genau, was ich genie\u00dfe an dieser Show, dass ich einmal die M\u00f6glichkeit habe, zu tun, worauf ich Bock hab. Dieses Gef\u00fchl von Selbst\u00e4ndigkeit w\u00fcrde mit einem h\u00f6heren Budget wohl verloren gehen.<br \/>\n<b>Niemann:<\/b> Das gute an einem h\u00f6heren Budget w\u00e4re, dass man die Leute irgendwie entlohnen kann. Diese ganzen Leute, die einem nebenbei ganz gro\u00dfe Gefallen tun.<br \/>\n<b>Stoye:<\/b> Das finde ich an Leipzig ja so charmant, dass es funktioniert, dass man den Leuten sagen kann: Ich brauche das und das \u2013 und vice versa.<br \/>\n<b>Kudernatsch:<\/b> Meine Assistentin Sanne arbeitet in Magdeburg, lebt in Halle und kommt dann direkt von Magdeburg nach Leipzig zur Show. F\u00fcr \u2019nen Appel und \u2019n Ei. Die ist toll!<\/p>\n<p><strong>Die Showmacher<\/strong><\/p>\n<p><strong>Andre Kudernatsch<\/strong>, 35, ist freier Kulturjournalist f\u00fcr MDR \u201eFigaro\u201c und \u201eartour\u201c. Nebenher schreibt er B\u00fccher wie \u201eAlles Wurscht. Reime gegen K\u00e4se\u201c oder  \u201eSuffis Welt\u201c, besingt und bespricht CDs wie \u201eHana Jensel \u2013 Zonenrinder\u201c und ist im Moment in ein \u201ePunk-Projekt\u201c involviert.<br \/>\nSeit 1998 l\u00e4dt er G\u00e4ste auf \u201eKudernatschs Kautsch\u201c, zuerst in Ilses Erika, seit knapp sechs Jahren in der Moritzbastei. Damit ist sie die am l\u00e4ngsten existierende Show in Leipzig. Prominente G\u00e4ste waren bisher zum Beispiel Roberto Blanco, Herbert Feuerstein, Gojko Mitic, Fips Asmussen, Wolfgang Tiefensee oder Achim Mentzel und Wolfgang \u201eLippi\u201c Lippert. Die 100. \u201eKautsch\u201c wird am 8. Juni in der Moritzbastei gefeiert. Vorher, am 26. April, widmet sich eine \u201eSchwarze Kautsch\u201c speziell der \u201eGruftie\u201c-Szene. <\/p>\n<p><strong>Anja Niemann<\/strong>, 31, urspr\u00fcnglich mit Abschluss als Kauffrau im Einzelhandel, sammelte als PR-Frau in Magdeburg erste professionelle Erfahrungen in Theaterarbeit. Nach einigen Jahren als Gegieassistentin und Regisseurin und entsprechenden Arbeiten in Wuppertal, Essen, Magdeburg, Leipzig und Dresden, ist sie seit 2003 als Disponentin im im K\u00fcnstlerischen Betriebsb\u00fcro am Schauspiel Leipzig t\u00e4tig.<br \/>\nAls Show-Moderatorin kann man sie im Talk-Show \u201e45 Umdrehungen\u201c in der Moritzbastei erleben sowie in der (fast) all-freit\u00e4glichen \u201eNotaufnahme\u201c im ehemaligen \u201eHorch &#038; Guck\u201c des Schauspielhauses in der Gottschedstra\u00dfe. <\/p>\n<p><strong>Janine Stoye<\/strong>, 27, macht gerade ihren Magister in Anglistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Uni Leipzig und arbeitet als selbst\u00e4ndige PR-Frau f\u00fcr diverse Firmen. Journalistische Erfahrung sammelte sie bei verschiedenen Print- und TV-Medien sowie vor allem durch ihre Mitarbeit beim Uniradio Mephisto. Aktiv ist sie au\u00dferdem im \u201eFreundeskreis der Qualit\u00e4t in der Medienkultur\u201c und (vor allem beim naTo-Cup) gef\u00fcrchtet als beinharte Hobby-Fu\u00dfballerin.<br \/>\nNach zwei Jahren \u201epassiert. notiert.\u201c, dem Monatsr\u00fccklick mit Video-Portraits, Pressespiegel, Plattenrezensionen, Prosa, Lyrik und Live-Musik in Ilses Erika, ist soeben das neue Format \u201eUnten mit \u2026\u201c gestartet. In der Tangofabrik werden Bands und Musiker verschiedener Couleur vorgestellt, interviewt und live pr\u00e4sentiert. <\/p>\n<p><strong>Ralf Donis<\/strong>, 37, hat sein b\u00fcrgerliches Leben im Institut f\u00fcr Geophysik schon vor Jahren an den Nagel geh\u00e4ngt und ist Musikfans noch als S\u00e4nger der legend\u00e4ren Band Think About Mutation in Erinnerung. Er gilt als einer der renommiertesten DJs der Stadt (Ilses Erika, Disco im Werk II), schreibt vor allem \u00fcber Musik in Persona Non Grata und KREUZER und ist obendrein Horrorfilm-Experte.<br \/>\nNach diversen Late Night-Formaten im Ilses Erika (\u201eDU Show\u201c, \u201eLeipzig DC\u201c), l\u00e4uft derzeit die aktuelle Staffel der \u201eToledo Nites\u201c. Gemeinsam mit Partner Tobias Rentsch wird der allt\u00e4gliche Wahnsinn in Politik, Kultur und Medien seziert. Gern spielt das Duo dabei mit den Grenzen von gutem Geschmack und kalkuliertem Tabubruch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Trash-Niederungen zu Hochkultur-Weihen \u2013 der Talk zum Leipziger Show-Boom Moderation: Augsburg Erschienen in Kreuzer 04\/2006 Entertainment von \u201eSchnapslatte\u201c bis Karikaturenstreit \u2013 die Grenzen zwischen Trash und Feuilleton verwischen sich schnell auf den Show-B\u00fchnen der Stadt. Es gibt eine illustre und vielf\u00e4ltige Szene, der Show-Boom in den Leipziger Clubs erlebt einen ungebrochenen Aufschwung. 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