{"id":195,"date":"2006-09-04T13:49:44","date_gmt":"2006-09-04T11:49:44","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=195"},"modified":"2009-10-04T13:50:50","modified_gmt":"2009-10-04T11:50:50","slug":"wie-wars-mal-mit-%e2%80%9ehier%e2%80%9c-und-%e2%80%9eheute%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=195","title":{"rendered":"Wie w\u00e4rs mal mit \u201eHier\u201c und \u201eHeute\u201c?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dieser Kulturentwicklungsplan manifestiert einen \u00fcberlebten Traditionalismus und hilft Leipzig nicht weiter.<\/strong><br \/>\nVon J\u00f6rg Augsburg<\/p>\n<p><em>Kommentar; erschienen in <a href=\"http:\/\/www.kreuzer-leipzig.de\" Target=\"_blank\">Kreuzer<\/a> 09\/2006<\/em><\/p>\n<p>\u201eAus der reichen und weit gef\u00e4cherten Kulturlandschaft Leipzigs sticht der musikalische Bereich mit seiner bedeutenden Tradition hervor. Daf\u00fcr stehen Musiker wie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Robert und Clara Schumann. \u2026 Von dieser Tradition ausgehend soll Leipzig weiterhin als Musikstadt entwickelt werden.\u201c Das \u2013 und neben dem viel diskutierten \u201eRanking\u201c substanziell nicht wirklich viel mehr \u2013 steht im derzeit vorliegenden Entwurf des Kulturentwicklungsplans. Der forciert fatale Entscheidungen und manifestiert unbefriedigende Zust\u00e4nde, ohne grunds\u00e4tzliche kulturpolitische Defizite aufzuzeigen oder gar in Angriff zu nehmen.<!--more--><br \/>\nDefizit Nr. 1: Das Kulturverst\u00e4ndnis, das der Politik dieser Stadt vorschwebt, ist gestrig und \u00fcberholt. Es beschw\u00f6rt mit Bach als kulturellem Allheilmittel, eine Musikkultur, die \u2013 bei allem Respekt \u2013  nichts anderes als eine ernsthaft zu pflegende Tradition ist. Mit der t\u00e4glichen Lebenswirklichkeit in dieser Stadt hat sie wenig gemein.<br \/>\nDefizit Nr. 2: Die Kultur dieser Stadt soll sich daran orientieren, was den weltweiten Tourismus interessieren k\u00f6nnte. Verschaukelt mag sich indes vorkommen, wer hier jeden Tag lebt und g\u00e4nzlich andere Bed\u00fcrfnisse hat. Vielleicht das, abends um die Ecke ein cooles Konzert sehen zu k\u00f6nnen und hinterher noch im Club zu tanzen. Was immerhin ein Gro\u00dfteil der jungen Menschen auf der ganzen Welt als entscheidendes Merkmal von Lebensqualit\u00e4t werten w\u00fcrde.<br \/>\nDefizit Nr. 3: Das offizielle Leipzig hat ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zu allem, was sich nicht reinen Gewissens als \u201eHochkultur\u201c bezeichnen l\u00e4sst. (Au\u00dfer es hei\u00dft \u201eClassic Open\u201c.) Ersatzweise wird aber immer gern genommen, was sich entweder hochkulturell verbr\u00e4mt oder wenigstens noch irgendwie mit sozialem Anspruch punkten kann. Jede \u201eInitiative f\u00fcr Musiker, die sonst potenziell rechts w\u00e4ren\u201c hat also mehr Chancen auf stadtoffizielle Wahrnehmung, als ernsthafte \u00e4sthetisch orientierte Zeitgeist-Ann\u00e4herung. Nichts gegen Engagement an sozialen Brennpunkten \u2013 aber wir reden hier immer noch von \u201eKultur\u201c. N\u00f6tig ist eine wohlverstandene Trennung politischer Interessengebiete.<br \/>\nDefizit Nr. 4: Politik und Verwaltung dieser Stadt haben offensichtlich kein Interesse an oder\/und keine Ahnung von der t\u00e4glichen Realit\u00e4t ihrer \u2013 laut KEP \u2013 jungen Kernzielgruppe. Mindestens im Bereich Popmusik muss man konstatieren: Die Verwaltung hat nicht die (zugegebenerma\u00dfen kaum \u201eerlernbare\u201c) Fachkompetenz, um zu wissen, was gebraucht wird, oder einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, was die wenigen Gef\u00f6rderten eigentlich wirklich machen mit dem Geld der B\u00fcrger. Der Politik (als deren Arbeitgeber) scheint es egal. Es war doch \u2013 beispielsweise \u2013 keine \u00fcbertriebene Erwartung, wenigstens einen Vertreter des Kulturausschusses (immerhin herrschende Instanz \u00fcber alle Kulturf\u00f6rdermittel) im Juni zum ersten \u201eRunden Tisch Popmusik Leipzig\u201c seit Wendezeiten im Kulturamt zu begr\u00fc\u00dfen?<br \/>\nDefizit Nr. 5: Irrsinnige Strukturen (und Ausgaben) werden mit dem Begriff \u201eLeuchtturm\u201c rechtfertigt. Diese Stadt braucht vielleicht sogar einen Chailly (der allerdings hier kaum zu erleben ist), aber sie braucht ganz gewiss f\u00fcnf weitere Ilses Erika- oder Superkronik- oderoder-Betreiber, die Kultur mit echtem Leben erf\u00fcllen \u2013 und das Leben hier mit Kultur. Leipzig braucht nat\u00fcrlich Theater, Orchester und Oper (in dieser Reihenfolge) \u2013 aber bitte mit anderen Strukturen und ohne Gr\u00f6\u00dfenwahn.<br \/>\nDefizit Nr. 6: Der langj\u00e4hrige Beigeordnete f\u00fcr Kultur ist er ein bei allen Interessierten oder Abh\u00e4ngigen gef\u00fcrchteter Nichtssager und Nichtentscheider, der \u00fcbrigens per KEP die Hoheit \u00fcber sein Amtsgebiet gerade an das Stadtmarketing verscherbelt. Und er ist erster Protagonist eines \u00fcberlebten nichturbanen Kulturbegriffs. Den Schaden hat Leipzig. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Kulturentwicklungsplan manifestiert einen \u00fcberlebten Traditionalismus und hilft Leipzig nicht weiter. Von J\u00f6rg Augsburg Kommentar; erschienen in Kreuzer 09\/2006 \u201eAus der reichen und weit gef\u00e4cherten Kulturlandschaft Leipzigs sticht der musikalische Bereich mit seiner bedeutenden Tradition hervor. 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