{"id":407,"date":"2010-09-01T16:02:10","date_gmt":"2010-09-01T14:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=407"},"modified":"2010-09-01T16:03:38","modified_gmt":"2010-09-01T14:03:38","slug":"mein-leben-mit-schweinevogel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=407","title":{"rendered":"Mein Leben mit Schweinevogel"},"content":{"rendered":"<p><em>Editorialbeitrag in <a href=\"http:\/\/www.schweinevogel.de\/?page_id=2312\" Target=\"_blank\">&#8222;Schwarwel: Schweinevogel Total-O-Rama&#8220;<\/a>; Holzhof Verlag Dresden, Hrsg. Gl\u00fccklicher Montag Leipzig, 616 S., ISBN 978-3-939509-86-8, 24,90 Euro<\/em><\/p>\n<p>Man kam in Leipzig nicht wirklich an Schweinevogel vorbei. Zumindest nicht ein, zwei Jahre nach dem Mauerfall, wenn man irgendwas mit der &#8222;Szene&#8220; zu tun hatte. Die war nicht wirklich un\u00fcbersichtlich und wenn man in ein paar der angesagten Locations unterwegs war, stolperte man unweigerlich \u00fcber alles, was in der Stadt Rang und Namen hatte. So, wie eben Schweinevogel. Ich wei\u00df nicht mehr genau, ob meine erste Begegnung mit ihm im &#8222;Fischmarkt&#8220; war, der &#8222;Messitsch&#8220; oder gar \u201eLiebe, Tod und Teufel\u201c \u2013 jedenfalls war Schweinevogel ein von Anfang an sympathischer Zeitgenosse. Man konnte sich wohl problemlos mit dem knuffigen Kerl identifizieren \u2013 faul, vorlaut, verfressen und auf eine angenehme Art fies zu seinen Comic-Kumpeln.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nKlar, dass man irgendwann auch auf Schwarwel trifft, in dessen Comicladen man sowieso reichlich Zeit zubringen konnte und dem man auch sonst immer wieder \u00fcber den Weg l\u00e4uft. Wie gesagt, die Stadt ist nicht so gro\u00df und wenn man beim Kreuzer, dem tonangebenden Stadtmagazin, f\u00fcr Musik und damit praktisch f\u00fcr alles jugend- und subkulturelle Treiben zust\u00e4ndig ist, ergeben sich ziemlich schnell und quasi automatisch Ber\u00fchrungspunkte der jeweiligen Schaffensbereiche. Immerhin war Schwarwel in jenen Tagen ganz sch\u00f6n viel gleichzeitig; Comicladenbesitzer, Zeichner, Flyerdesigner, Plattencovergestalter und sogar Acidpartyveranstalter. Fehlte nur noch der eigene Verlag: Extrem Erfolgreich Enterprises. Und die eigene Comicserie: Schweinevogel, logisch. <\/p>\n<p>Bei dessen Gr\u00fcndung war ich also der Mann f\u00fcrs \u00d6ffentliche, schlie\u00dflich sollte die Welt auch angemessen erfahren, dass Schweinevogel jetzt eine regul\u00e4re Heimstatt und eine eigene Serie hatte. Es wurde dann auch schnell spannend, denn \u2013 und das war 1997 noch echtes Abenteuerland \u2013 eine eigene Homepage sollte her! Ich sags mal so: Wir m\u00fcssen uns dieser allerersten Schweinevogel-Webseite auch heute noch nicht sch\u00e4men! (Wovon sich \u00fcbrigens jeder im Archiv auf schweinevogel.de \u00fcberzeugen kann.) F\u00fcr mich hatte dieses Projekt weitreichende Folgen, war sie doch der Ausl\u00f6ser und Grundstein f\u00fcr einen sehr betr\u00e4chtlichen Teil meines folgenden beruflichen Schaffens, das sich seitdem zu gro\u00dfen Teilen eben um Webseiten dreht. <\/p>\n<p>Die Zeichen standen g\u00fcnstig, die Zeiten waren gerade richtig. Comics hatten Hochkonjunktur und mit Eigner Bela B. als wirkm\u00e4chtiges Aush\u00e4ngeschild an der Spitze des Verlags standen die Zeichen schnell auf Erweiterung des Verlagsprogramms. Das gestaltete sich ziemlich kompromisslos \u2013 zumindest im Vergleich zur doch eher biederen damaligen Comicszene. Gem\u00e4\u00df der Vorlieben der beiden Chefs f\u00fcrs D\u00fcstere, Gewaltt\u00e4tige und auch sonst sehr Freiz\u00fcgige in der Kunst sammelte sich im Laufe der Jahre ein auch heute noch recht beeindruckendes Portfolio an Blut, Sperma und Psychopathie auf \u2013 das muss man schon hinzuf\u00fcgen \u2013 hohem Niveau. (Dass EEE mit \u201eKunst\u201c agierte, wurde dann ja sogar in einer Verhandlung bei der legend\u00e4ren Bundespr\u00fcfstelle best\u00e4tigt.) Angemerkt sei auch, dass sich EEE \u2013 und auch das gabs so vorher nicht bei deutschen Comicverlagen \u2013 ein konsequentes Rock\u2019n\u2019Roll-Image verordnete: \u201eWir sind die B\u00f6sen!\u201c wurde dann auch ausgiebig auf den damals sprie\u00dfenden Messen zelebriert, wo sich die Gro\u00dffamilie in aller Pracht pr\u00e4sentierte und am\u00fcsierte. (Nachlesbar ist das in den alten Webtageb\u00fcchern \u2013 auch da war EEE ganz weit vorn.) <\/p>\n<p>\u201eWir sind die B\u00f6sen!\u201c hat dann \u2013 ich meine: leider \u2013 auch deutlich auf Schweinevogel abgef\u00e4rbt, dessen Story gen Ende massiv an schwergewichtiger D\u00fcsternis zulegte und damit reichlich Stoff f\u00fcr K\u00fcchenpsychologen lieferte. Erholung davon sollte ein Spinoff sein, eine Extrareihe mit g\u00e4nzlich anderen Geschichten und vor allem eine, in der Schwarwel seinem Schweinevogel in fremde H\u00e4nde legte. Was \u2013 wenn ich heute nochmal dr\u00fcber nachdenke \u2013 ein gewaltiger Schritt war. Ein Comic in Abrafaxe-Manier sollte es sein, zeichnen durfte Ulf Graupner, der seine Br\u00f6tchen sonst beim \u2013 sic \u2013 Mosaik verdiente. Der Plot hingegen lag tats\u00e4chlich in meinen H\u00e4nden, selbstredend nicht ohne genaueste Begutachtung durch Schwarwel. \u201eAton \u2013 Fluch der V\u00e4ter\u201c ist eine, wie ich immer mal wieder mit geb\u00fchrendem zeitlichen Abstand feststelle, gar nicht so doofe Story rund um Pharaonen und Fl\u00fcche. Zum Nachfolger \u2013  &#8222;Schweinevogel &#038; die Nazifaxe&#8220;! \u2013 kam es dann leider nie mehr. Die Zeiten hatten sich ge\u00e4ndert, der Comic-Hype war durch und wer sich nicht auf Mangas verlegte, hatte nicht mehr viel zu lachen \u2013 geschweige denn zu verkaufen. EEE wurde schleichend zu den Akten gelegt, ein paar Schweinevogel-Specials nachgelegt, dann waren erstmal ein wenig Abstand und Kleinauftritte geboten. <\/p>\n<p>Bis zum Film, an den sich wohl niemand ernsthaft getraut h\u00e4tte, wenn vorher schon klar gewesen w\u00e4re, welch ein praktisch irrsinniges Projekt das werden w\u00fcrde. Immerhin: Unmengen \u00fcberschrittene Deadlines, eine unendliche Abfolge von Praktikanten als Fu\u00df- \u2013 besser: \u2013 Handvolk und vielevieleviele Erfahrungen sp\u00e4ter war es tats\u00e4chlich soweit: Schweinevogel \u2013 Der Film. Okay, ein Kurzfilm, aber nichtsdestotrotz ein stolzes Werk, dem ich unter anderem verdanke, dass ich gepfiffene Liedanf\u00e4nge inzwischen nicht mehr ertragen kann. Und auch, wenn es mit der gro\u00dfen Kinokarriere vermutlich nichts wird, Schweinevogel ist seitdem wieder der Alte, vielleicht sogar noch naseweiser, noch fauler und irgendwie kumpeliger, auch, weil es in Klump\u2019n\u2019schlomp nat\u00fcrlich fast so zugeht wie im richtigen Leben. Es ist jedenfalls der Schweinevogel den ich liebe. Stolz wie Bolle bin ja sowieso schon dar\u00fcber, ein R\u00e4dchen im gro\u00dfen Uhrwerk der Schweinevogel-Historie zu sein. Und irgendwann liefere ich auch noch die Nazifaxe-Story. Ehrlich! Vorher muss ich aber selbst erstmal diesen Ziegelstein hier ausf\u00fchrlich durchschm\u00f6kern. Gut Ding will Weile haben. Und Pizza! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Editorialbeitrag in &#8222;Schwarwel: Schweinevogel Total-O-Rama&#8220;; Holzhof Verlag Dresden, Hrsg. Gl\u00fccklicher Montag Leipzig, 616 S., ISBN 978-3-939509-86-8, 24,90 Euro Man kam in Leipzig nicht wirklich an Schweinevogel vorbei. Zumindest nicht ein, zwei Jahre nach dem Mauerfall, wenn man irgendwas mit der &#8222;Szene&#8220; zu tun hatte. Die war nicht wirklich un\u00fcbersichtlich und wenn man in ein paar &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/augeweb.de\/?p=407\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eMein Leben mit Schweinevogel\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/407"}],"collection":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=407"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/407\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":409,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/407\/revisions\/409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/augeweb.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}