{"id":450,"date":"2010-10-27T15:30:48","date_gmt":"2010-10-27T13:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=450"},"modified":"2018-10-15T23:37:39","modified_gmt":"2018-10-15T21:37:39","slug":"the-spex%e2%80%99-are-not-alright","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=450","title":{"rendered":"The Spex\u2019 are not alright"},"content":{"rendered":"<p><strong>Max Dax, der Chefredakteur der Spex geht. Und nun? Wahrscheinlich nix.<\/strong><br \/>\n<em>10\/2010<\/em><\/p>\n<p>Eigentlich will man nur erstmal schnell schauen, was auf dem CD-Beileger so drauf ist, man macht das heutzutage ja so, wenn man sich doch mal noch eine Musikzeitschrift kauft, auch wenn die mehr oder weniger ungeh\u00f6rt im Stapel mit all den anderen Beileger-CDs landet, die sich halt so ansammeln, wenn man sowas nicht wegschmei\u00dfen kann. <!--more--><\/p>\n<p>Stattdessen f\u00e4llt einem aber ein freundlicher Brief von Giovanni di Lorenzo in die Hand, der behauptet, er w\u00fcrde sich f\u00fcr \u201eIhre Meinung\u201c interessieren, weil er wohl vermutet, das Spex-Leser irgendwie auch an der Wochenzeitung Zeit interessiert sein m\u00fcssten, deren Chefredakteur er ist. Oder wenigstens an dem Trolley, den man als Probeabonnent auch gleich noch abstauben k\u00f6nnte. Es scheint gerade Trolley-Zeit zu sein. Als Preis f\u00fcr die Teilnahme am allj\u00e4hrlich f\u00e4lligen Spex-Leserpoll ist auch einer im Angebot, wer genauer hinschaut, stellt fest: aus der Kollektion \u201eAuthentic Post Pop\u201c. Ausgerechnet. <\/p>\n<p>Schon sind wir mitten drin in im weiten Feld, das mal so etwas wie die Kernkompetenz der Spex war. Nur dass es hier eben nicht um Popkultur \u2013 \u201eMagazin f\u00fcr Popkultur\u201c steht immer unter dem Titel \u2013 sondern um eine Tasche auf Rollen geht, nicht mal besonders chic, eine stinknormale Marketingkooperation also. Die CD ist nat\u00fcrlich auch so etwas, allerdings bezeichnet sich der Mensch, der hier mit den Marketingbeauftragten der Labels aushandelt, was da so drauf darf \u2013 zum gegenseitigen Nutzen, versteht sich \u2013, als \u201eKurator\u201c. Da muss man auch erstmal drauf kommen. <\/p>\n<p>2007 zog die Spex von K\u00f6ln nach Berlin, vorausgegangen war eine monatelange Ger\u00fcchteschlacht, am Ende wurde nahezu die komplette Redaktion, inklusive Chef,  ausgewechselt. Eine feine Tour oder wenigstens auch nur anst\u00e4ndig war das nat\u00fcrlich nicht. Aber das herk\u00f6mmliche Verlagsgesch\u00e4ft \u2013 und dazu geh\u00f6rte die Spex seit einigen Jahren \u2013 macht halt auch wenig Gefangene. So what \u2013 neues Team, neues Konzept, neue Erscheinungsweise. Begonnen wurde ausgerechnet mit dem editorialen Abschmettern der legend\u00e4ren Aussage des nicht minder legend\u00e4ren Spex-Urgesteins Diedrich Diederichsen, der 1992 in der Hochphase der Spex-Diskurs-Kultur und angesichts der im Gange befindlichen reaktion\u00e4ren Kaperung der Popkultur in einem Essay \u201eThe kids are not alright\u201c formulierte. Chefredakteur war seit dem Umzug Max Dax (ein K\u00fcnstlername klar, aber mit dieser Art Alliteration hat es die Spex-Redaktion seither irgendwie, st\u00e4ndig stolpert man \u00fcber Namen wie \u201eWalter W. Wacht\u201c, \u201eWibke Wetzer\u201c oder \u201eLuci Lux\u201c). Der hat eben verk\u00fcndet, diesen Posten zu r\u00e4umen, was immer noch gut genug f\u00fcr einige Meldungen in Branchendiensten und im Feuilleton ist und ein Anlass, nochmal genauer in und auf die Spex zu schauen. <\/p>\n<p>Was macht nun die \u201e\u00c4ra Dax\u201c aus, au\u00dfer der zunehmend verblassenden Erinnerung, dass man f\u00fcr den aufmerksamkeitspotenten Karriereschritt als Spex-Chefredakteur auch mal bereit sein muss, \u00fcber Leichen zu gehen? Oder abseits der wahrscheinlich nur Nicht-Berlinern auffallenden penetranten Hauptstadt-Zentriertheit rund um Hipstermilieu-Befindlichkeiten und Berghain-Kult? Ganz genau einmal hat man w\u00e4hrend der letzten drei Jahre in noch interessierten Kreisen \u00fcber die Spex diskutiert. Im Januar 2010 wurde die Abschaffung der Plattenrezension verk\u00fcndet, statt dessen ein \u201ePop-Briefing\u201c postuliert. Ein \u2013 sic \u2013 Marketing-Coup war das nochmal, l\u00f6ste eine mittelschwere Feuilleton-Diskussion \u00fcber das \u201eEnde der Musikkritik\u201c aus, gespannt wurde erwartet, was denn die versprochene Round-Table-Diskussion mehr Erhellendes zu bieten haben k\u00f6nnte, als der pl\u00f6tzlich geschm\u00e4hte Ur-Ansatz jeglicher Kritik, n\u00e4mlich Deutungshoheit \u00fcber ein k\u00fcnstlerisches Werk zu erlangen. <\/p>\n<p>Einige Ausgaben sp\u00e4ter \u2013 also jetzt \u2013 ist all das damalige Gequatsche von dem Verzicht auf \u2013 so Max Dax \u2013 \u201esprachliche Eitelkeiten und blo\u00dfe Geschmacks\u00e4u\u00dferungen\u201c nur noch Makulatur. Denn nicht nur, dass diese verschriftlichte Pseudodiskussion nach menschlichem Ermessen schlicht unlesbar ist (als Spex-Leser sollte man da bekannterma\u00dfen abgeh\u00e4rtet sein, wenn auch eher aus Gr\u00fcnden einer gewissen inhaltlichen Schwerlast). Aus der Analyse und Einordnung \u2013 oder wenigstens dem Versuch dazu \u2013 wurde unversehens ein gegenseitiges Namens- und Stil-Dropping-Bombardement, eine Art \u201eIch-kenne-mehr-Bez\u00fcge-als-du\u201c-Schwanzvergleich, der f\u00fcr alles m\u00f6gliche taugen mag, vor allem als Selbstdarstellung, nur nicht als Musikjournalismus, wie man ihn von Autoren eines ernstzunehmenden Musikmagazins wohl erwarten sollte. <\/p>\n<p>Aber halt: Es geht ja nicht um \u201eMusik\u201c, sondern um \u201ePopkultur\u201c. 20 Seiten des aktuellen Heftes handeln von Mode \u2013 die gute H\u00e4lfte davon als Fotostrecke, an deren Platz man sich das m\u00fchsame Verfassen von (vermutlich auch noch teureren) Texten sparen kann. Es gibt auch jede Menge Kunst, Literatur, Film; die letzte Ausgabe widmete sich sogar hauts\u00e4chlich dem Theater. Ein Kulturmagazin ist das also tats\u00e4chlich, sicher hat das seine Berechtigung, findet Leser, stabilisert die Auflage. Aber es ist nat\u00fcrlich auch auf seine Art beliebig und l\u00e4sst vor allem eines vermissen: Leidenschaft. Wegen der hatte man all den Vorg\u00e4ngergenerationen der Spex nachgesehen, was sie gerade vermeintlich falsch machten oder was viele einfach nervte; alles war dabei von akademischer Verkopftheit bis forciertem Bedeutungsverlust. <\/p>\n<p>Es mutet angesichts seiner eigenen Inthronisation jetzt fast wie ein Treppenwitz der Spex-Historie an, dass \u2013 wie kolportiert wurde \u2013 Max Dax nicht einverstanden gewesen sei, dass die Redaktion personell (also finanziell) ausged\u00fcnnt wurde. Oder vielleicht will er wirklich nur sein Buch schreiben oder wird vom Verlag irgendwo anders platziert. \u00c4ndern wird sich an der Linie sicher nichts, schon gar nicht schnell und die fr\u00fchere Meinungs-Lufthoheit sowie das Gesp\u00fcr f\u00fcr kommenden, nicht nur die gerade herrschenden Trends sind nat\u00fcrlich unwiederbringlich. Aber so ganz egal ist es dann doch nicht, weil man bei der Spex eben immer noch genauer hinschaut als bei jedem anderen Musikmagazin des Landes. Auch wenn es nur um simple Plattenkritiken geht. Oder gerade deshalb. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Dax, der Chefredakteur der Spex geht. Und nun? 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