{"id":521,"date":"2011-01-30T22:17:15","date_gmt":"2011-01-30T20:17:15","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=521"},"modified":"2011-02-08T22:18:52","modified_gmt":"2011-02-08T20:18:52","slug":"das-ende-vom-sputnik-schock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=521","title":{"rendered":"Das Ende vom Sputnik-Schock"},"content":{"rendered":"<p>Sound glattgeb\u00fcgelt, Etat zusammengestrichen: MDR Sputnik wurde mit einer Programmkorrektur wieder auf MDR-Ma\u00df gestutzt.<\/p>\n<p><em>Erschienen in <a href=\"http:\/\/www.kreuzer-leipzig.de\" Target=\"_blank\">Kreuzer<\/a> 02\/2011<\/em><\/p>\n<p>\u00bbSympathisch, authentisch und etwas schr\u00e4g\u00ab sollen sie sein, die beiden Moderatorenduos, die seit Januar \u00bbDie Sputniker am Morgen\u00ab sind. MDR Sputnik hat jetzt auch eine richtige Morgenshow. Es gibt Hitmusik, den Wetterbericht, ein bisschen News, einen Komiker und ganz viel gute Laune. Schr\u00e4g ist das nat\u00fcrlich nicht, eher ein bisschen unbeholfen, was man allerdings auch wieder sympathisch finden kann. Ein ganz normales Fr\u00fchst\u00fccksradio halt. F\u00fcr Sachsen-Anhalt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSputnik, die kleine Jugendwelle des MDR, wurde 2006 vom gro\u00dfen Kommerz-Schlachtschiff Jump losgel\u00f6st, mit eigener Redaktion und eigenem Senderchef ausgestattet. Seitdem war es eine Art letzte Hoffnung f\u00fcr alle im MDR-Einzugsgebiet, die die Hoffnung auf Radio abseits der Dudelfunk-Dr\u00f6hnung noch nicht vollends aufgegeben hatten. Denn pl\u00f6tzlich war da ein junges Team mit guten Ideen und \u2013 so schien es \u2013 ausreichend Narrenfreiheit, um die verbreitete MDR-Verdrossenheit zu konterkarieren. \u00dcber Antenne empfangbar war das allerdings nur in Sachsen-Anhalt und Leipzig. Aus dieser Not machte man die zweite Tugend: In bis dato nicht erlebter Konsequenz setzte man auf das Internet, streamte dort nicht nur das eigene Programm, sondern etablierte eine eigene Community und ein eigenes Bandportal. Was im Netz passierte, fand den Weg ins Radio und umgekehrt. Gute Musik, der Wille zum Inhalt, zeitgem\u00e4\u00df in Szene gesetzt \u2013 was Sputnik da machte, wurde allseits aufmerksam beobachtet und hoch gelobt, galt es doch als herausragendes Beispiel daf\u00fcr, wie man sich heutzutage als Radio positionieren kann. <\/p>\n<p>Das Problem: Der gemeine sachsen-anhaltinische H\u00f6rer lie\u00df sich davon nicht \u00fcberzeugen. Zumindest nicht, wenn man den Zahlen der sogenannten MA glaubt \u2013 die allj\u00e4hrlichen Media-Analysen sind die harte W\u00e4hrung im Radiogesch\u00e4ft \u2013 und einer vom MDR in Auftrag gegebenen \u00bbMappingstudie\u00ab. Dass in den Universit\u00e4tsst\u00e4dten Magdeburg und Halle deutlich mehr zuh\u00f6rten, spiegelte sich dort nicht wider. Im Februar 2010 holte H\u00f6rfunkdirektor Johann Michael M\u00f6ller dann mit Ulrich Manitz einen beinharten Privatradio-Berater ins Haus. Die neue Order folgte prompt: Mehr H\u00f6rer, mehr Sachsen-Anhalt! Au\u00dferdem wurde im Zuge allgemeiner MDR-Sparma\u00dfnahmen das Budget von Sputnik gleich um ein Drittel gek\u00fcrzt. Erstes Opfer: die englischen News, eine der kleinen Extravaganzen, f\u00fcr die man Sputnik sch\u00e4tzen gelernt hatte. F\u00fcr den H\u00f6rer schwerer ins Gewicht fiel allerdings die Neukalibrierung des Sounds im Tagesprogramm. Weniger Titel in der Rotation, daf\u00fcr mehr und \u00f6fter \u00bbHits\u00ab, wobei \u2013 und das bringt Radiokritiker ganz schnell auf die Palme \u2013 die eingesetzten Titel in der Marktforschung vorher auf Akzeptanz getestet werden. Dass die Programmkorrektur mitten in der hochsommerlichen Urlaubszeit quasi als Nacht-und-Nebel-Aktion ablief, erregte zus\u00e4tzlichen Argwohn.<\/p>\n<p>Was hat der MDR mit seinem kleinen Radio vor? Eine schl\u00fcssige Strategie scheint es jedenfalls nicht, mit Sputnik und Jump jetzt wieder zwei \u00e4hnlich klingende Wellen zu betreiben. Au\u00dfer nat\u00fcrlich, man wollte die Sender in nicht ferner Zukunft sowieso wieder verschmelzen. Erschlossen hat sich das Vorgehen nicht einmal dem Senderchef selbst: \u00bbDie Frage nach dem Grund stelle ich mir oft, weil Sputnik mit seinen Minifrequenzen nun wirklich nicht das Problem im MDR-H\u00f6rfunk darstellte. Ich wei\u00df keine Antwort. Zumal es die eindeutige Verabredung gab, dass Sputnik ein multimedial-experimentelles Jugendkulturprogramm sein sollte und sich dadurch klar von Jump abgrenzte\u00ab, sagt Eric Markuse, der Sputnik vor vier Jahren runderneuerte. Im Dezember hatte er genug und k\u00fcndigte: \u00bbAm Anfang stand eine Neupositionierung gar nicht zur Diskussion, sondern eine Kurskorrektur bei der Musik. Dann gewannen Berater und externe Marktforscher die Oberhand, und altes Formatradio-Denken und Quoten-Reflexe hielten wieder Einzug in den Sender.\u00ab<br \/>\nPikantes Detail: Zur Sitzung des H\u00f6rfunkausschusses zum Thema Sputnik-Reform wurde Markuse nicht mal eingeladen. Stattdessen war sein Stellverteter anwesend. Der ist jetzt der Senderchef. Reinhard B\u00e4renz ist ein alter Radiohase, ein abgekl\u00e4rter Profi, der die Kritik an der Marktforschung nicht gelten l\u00e4sst: \u00bbEs tut einem Radiomacher doch gut, mehr zur Verf\u00fcgung zu haben als Erfahrung und Bauchgef\u00fchl.\u00ab Die Entscheidung \u00fcber das Programm h\u00e4tte ja immer noch ausschlie\u00dflich die Redaktion. Nat\u00fcrlich verteidigt er auch die gro\u00dfe Linie: \u00bbWir m\u00fcssen ein Radio machen, das akzeptiert wird. Ohne Basis in der Bev\u00f6lkerung haben wir als \u00f6ffentlich-rechtlicher Rundfunk keine Existenzberechtigung.\u00ab <\/p>\n<p>Ist Sputnik jetzt \u00abDudelfunk\u00ab? Jein. Tats\u00e4chlich ist das Tagesprogramm h\u00f6rbar glattgeb\u00fcgelt. Abends jedoch sind Freir\u00e4ume geblieben, finden immer noch regionale Bands ein Forum, ist die Musikfarbe bunter. Substanzielle Wortbeitr\u00e4ge gibt es auch noch. Aber \u2013 schon wegen der finanziellen Einschr\u00e4nkungen \u2013 weniger und auf deutlich niedrigerem Niveau. Ob das auch so bleiben soll, wei\u00df wohl nur MDR-H\u00f6rfunk-Chef M\u00f6ller. Allzu viel Hoffnung sollte man nach der Sputnik-Erfahrung lieber nicht haben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sound glattgeb\u00fcgelt, Etat zusammengestrichen: MDR Sputnik wurde mit einer Programmkorrektur wieder auf MDR-Ma\u00df gestutzt. 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