{"id":525,"date":"2011-02-04T01:00:14","date_gmt":"2011-02-03T23:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/augeweb.de\/v2\/?p=525"},"modified":"2011-02-04T01:00:14","modified_gmt":"2011-02-03T23:00:14","slug":"die-energie-die-wut-die-melancholie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/augeweb.de\/?p=525","title":{"rendered":"Die Energie, die Wut, die Melancholie"},"content":{"rendered":"<p>Thorsten Seif \u00fcber Buback vor dem Label-Abend mit Kristof Schreuf, F.S.K., 1000 Robota und den Goldenen Zitronen im Centraltheater. <\/p>\n<p><em>Interview zum Buback-Labelabend; erschienen in der <a href=\"http:\/\/nachrichten.lvz-online.de\/kultur\/news\/buback-labelabend-im-centraltheater-geschaeftsfuehrer-thorsten-seif-im-interview\/r-news-a-73321.html\" Target=\"_blank\">Leipziger Volkszeitung, 4.2.2011<\/a><\/em><\/p>\n<p>Seit der Gr\u00fcndung vor 23 Jahren z\u00e4hlt Buback zu den renommiertesten Independent Labels des Landes. Die Hamburger haben Absolute Beginner entdeckt, sind heute unter anderem Heimat von Deichkind, Jan Delay oder Tocotronic. Der \u201eBuback Labelabend\u201c im Centraltheater pr\u00e4sentiert vier bemerkenswerte Bands zwischen System-Rebellion, Pop-Philosophie und Indie-Radau. Im Interview erz\u00e4hlt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thorsten Seif \u00fcber den gemeinsamen Nenner von Jung und Alt, den Erfolg im Musikbusiness und das Tour-Konzept.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>Interviewtermin fr\u00fch um zehn im B\u00fcro; das klingt nicht gerade nach Rock\u2019n\u2019Roll.<\/em><br \/>\nNaja, ich bin ja auch Vater, da steht man wesentlich fr\u00fcher auf. Aber \u201enormale\u201c Leute gehen doch eher schon um acht ins B\u00fcro, oder?<\/p>\n<p><em>23 Jahre Buback ist nicht wirklich ein runder Anlass, warum die \u201eLabel Tour\u201c?<\/em><br \/>\nAusl\u00f6ser war eigentlich, dass wir letztes Jahr 1000 Robota und Kristof Schreuf ver\u00f6ffentlicht haben, f\u00fcr die es eine gute mediale Pr\u00e4senz gab. Das hat uns als Label so ein bisschen Selbstbewusstsein gegeben und auf die Idee gebracht, man k\u00f6nnte sozusagen \u201eJung\u201c und \u201eAlt\u201c vereinen und zusammen auf die B\u00fchne bringen. Ein \u201eLabelabend\u201c wird auch als eine Art Event gern genommen. Nichtsdestotrotz habe ich aber das Gef\u00fchl, dass es da eine musikalische und textliche Stringenz gibt von eher jungen Bands wie 1000 Robota bis hin zu F.S.K., die es mittlerweile schon 30 Jahre gibt. Es erschien also interessant, die gemeinsam auf die B\u00fchne zu bringen. <\/p>\n<p><em>Euer Label steht f\u00fcr musikalisch sehr unterschiedliche Bands. Gibt es den gemeinsamen Buback-Nenner<\/em>?<br \/>\nEs gibt bei den allermeisten Bands ein starkes Interesse an Text und daran, sich selbst im Text in Frage zu stellen, einen gewissen philosophisch-politischen Ansatz zu haben, \u00fcber das Verhandeln eigener Befindlichkeiten hinaus zu texten. Das ist es auch, was uns als Label interessiert. <\/p>\n<p><em>Buback wurde immer als explizit politisches Label angesehen. L\u00e4sst du das noch gelten?<\/em><br \/>\nAls Label bist du eigentlich nicht politisch, eher als Privatperson. Gerade in Hamburg ist ja derzeit sowohl die Kultur- als auch die Stadtentwicklungspolitik desastr\u00f6s, wo ich und meine Kollegin auch aktiv sind. Und wir stellen manchmal unsere Infrastruktur f\u00fcr Aktivit\u00e4ten zur Verf\u00fcgung. Das vielleicht doch Politische \u2013 oder das In-Frage-stellende \u2013 an unserer Musik ist das Aufzeigen anderer Perspektiven. <\/p>\n<p><em>Ihr seid eines der wenigen klassischen \u201egro\u00dfen\u201c Hamburger Independent-Labels, die es noch gibt. Wie geht\u2019s Buback denn so?<\/em><br \/>\nDer Firma Buback geht\u2019s sogar richtig gut, weil wir halt eine Konzertagentur haben mit Speerspitzen wie Jan Delay, Deichkind oder Samy Deluxe. Damit tr\u00e4gt sich der Laden \u00f6konomisch so ein bisschen. Die Labelsparte ist eher defizit\u00e4r, w\u00fcrde ich sagen \u2013 geh\u00f6rt aber einfach zum Firmenkonstrukt.<br \/>\nWir haben ja schon 1995 angefangen, die Konzertagentur aufzubauen. Heute wird davon gesprochen, dass man die Verluste im Tontr\u00e4gergesch\u00e4ft im Livegesch\u00e4ft ausgleichen muss, dieses sogenannte \u201e360\u00ba-Modell\u201c. Und genau so sind wir aufgestellt, nur dass das nicht die Idee war, weil wir so schlaue Gesch\u00e4ftsleute gewesen w\u00e4ren. Es wollte damals einfach niemand die Absoluten Beginner oder Les Robespierres buchen. Diese Themen waren f\u00fcr die gro\u00dfen Agenturen nicht interessant, kleine gab es noch nicht. Also mussten wir es selbst machen. Man wusste damals nicht, dass das eine Art Vorzeigemodell f\u00fcr die ganze Branche werden w\u00fcrde. <\/p>\n<p><em>Kann man als Buback-Band von der Musik leben, wenn man nicht gerade Deichkind oder Jan Delay hei\u00dft?<\/em><br \/>\nNein, grunds\u00e4tzlich nicht mehr. Vor zw\u00f6lf Jahren konnte man mit Plattenverk\u00e4ufen, Musikverlag und Touren vielleicht noch einigerma\u00dfen \u00fcber die Runden kommen; heute schafft man das eigentlich nicht mehr. Wobei sich bei unseren \u00e4lteren Bands, wie gerade F.S.K. und den Goldenen Zitronen diese Frage auch nicht mehr stellt. <\/p>\n<p><em>Wie wird man denn eine Buback-Band?<\/em><br \/>\nWir haben tats\u00e4chlich noch nie eine Band wegen einem eingeschickten Demo \u2013 heute sind es Links \u2013 unter Vertrag genommen. Es waren eher Empfehlungen aus dem Freundeskreis, von einem Studiobetreiber vielleicht oder anderen Leuten, die mit Musik zu tun haben. <\/p>\n<p><em>Interessiert heutzutage noch irgendjemanden, dass F.S.K. eine erkl\u00e4rte Lieblingsband des legend\u00e4ren Radio-DJs John Peel waren?<\/em><br \/>\nNein, das glaube ich nicht. Man kann das vielleicht nochmal in einem Nebensatz erw\u00e4hnen, ich bin mir aber sicher, dass die Generation die jetzt Mitte 20 ist, weder mit den Namen John Peel noch F.S.K. etwas anfangen k\u00f6nnen. Aber ich bin auch nicht indie-sentimental, das ist eben alles sehr verg\u00e4nglich. <\/p>\n<p><em>Vor vielleicht f\u00fcnf Jahren h\u00e4tte diese Tour komplett in alternativen Clubs wie dem Conne Island stattgefunden, jetzt geht\u2019s vorrangig durch die Theater.<\/em><br \/>\nZum einen gibt es die generelle Ann\u00e4herung der Institution Theater an die Popmusik, als Versuch einer Art Verj\u00fcngungsprozess. Bei uns konkret ist es aber auch so, dass zum Beispiel Carl Oesterhelt von F.S.K. oder Schorsch Kamerun und Ted Gaier von den Goldenen Zitronen viel am Theater machen, f\u00fcr die ist das ein so normaler Kontext geworden, wie es fr\u00fcher das AJZ war. Wir konnten uns in der Tat aussuchen, gehen wir mit diesem Abend in die Institution Theater oder gehen wir ins Conne Island. <\/p>\n<p><em>Die Theater werden sicher auch besser bezahlen.<\/em><br \/>\n\u00c4h \u2026 wahrscheinlich ja. <\/p>\n<p><em>Tut einem Label wie Buback der Spagat ein bisschen weh, wenn man einerseits Die Goldenen Zitronen im Theater spielen l\u00e4sst, Deichkind aber auch mal bei einer \u201eJ\u00e4germeister Rock Liga\u201c? Oder ist das einfach das Business?<\/em><br \/>\nEs ist tats\u00e4chlich nur Business. Ich hab irgendwann \u2013 mit dem Erfolg der Absoluten Beginner \u2013 gemerkt, dass auf einmal Marken in\u2019s Spiel kamen. Und ich hab verfolgt, wie sich die Bands erst dagegen positioniert haben, dann hie\u00df es: \u201eAch, das machen wir jetzt mal.\u201c Peu \u00e0 peu hat sich das einem gewissen Zeitgeist angepasst. Letztendlich sind wir auch nur Dienstleister, gerade bei der Bandbreite an K\u00fcnstlern, die wir betreuen. Da tickt jede Band anders. Unser Job ist es, das Ganze professionell f\u00fcr sie abzuwickeln. <\/p>\n<p><em>Was erwartet uns denn mit den vier Bands?<\/em><br \/>\nAuf jeden Fall sollen die Sets relativ kurz und knackig bleiben! Es wird sicher noch das eine oder andere Entertainment-Einsprengsel von den K\u00fcnstlern geben. Wir zeigen Videos, die wir gut finden. Es geht um kurzes Repr\u00e4sentieren \u2013 das aber von unserer besten Seite!<br \/>\nDie Reihenfolge haben wir \u00fcbrigens sozusagen dramaturgisch, n\u00e4mlich nach Lautst\u00e4rkefaktor, festgelegt. Es beginnt also Kristof Schreuf, als Letzte spielen die Goldenen Zitronen. <\/p>\n<p><em>Es ist nat\u00fcrlich eine gewisse Kalkulation: drei Bands f\u00fcr\u2019s gestandene Indie-Publikum, 1000 Robota f\u00fcr\u2019s Jungvolk. <\/em><br \/>\nWobei die Robotas oftmals altkl\u00fcger sind als die anderen! (lacht) Man muss aber sagen, dass wir selbst gerade von denen einfach so begeistert sind, weil sie etwas darstellen, was wir lange in der Popmusik nicht mehr erlebt haben: diese Attit\u00fcde, das Sich-selbst-in-Frage-stellen, den Zweifel \u2013 und trotzdem diese Energie, die Wut, die Melancholie. Das hat uns alle ein bisschen an die Zeit erinnert, als \u2013 gerade in Hamburg \u2013 Popmusik sehr politisch verhandelt wurde. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorsten Seif \u00fcber Buback vor dem Label-Abend mit Kristof Schreuf, F.S.K., 1000 Robota und den Goldenen Zitronen im Centraltheater. Interview zum Buback-Labelabend; erschienen in der Leipziger Volkszeitung, 4.2.2011 Seit der Gr\u00fcndung vor 23 Jahren z\u00e4hlt Buback zu den renommiertesten Independent Labels des Landes. 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